Livereview: Parkway Drive + Support, Frankfurt Jahrhunderthalle, 04.04.2017

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Rotierende Schlagzeuge, Flammenwerfer, gigantische Moshpits, Feuerwerkskörper, Hebebühnen – und vieles mehr. All das boten Parkway Drive am vergangenen Dienstagabend in der Frankfurter Jahrhunderthalle.

Was im Vorfeld der Tour und seit dem Tourstart vor einer Woche über die Jungs aus Down Under berichtet wurde, glich einem einzigen Hype. Immer wieder hieß es, man solle sich auf eine der verrücktesten Bühnenshows gefasst machen, die jemals das Licht der Welt erblickt haben. Alle Beteiligten sollten Recht behalten.

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Den Anfang an diesem Abend machten die US-Amerikaner von Stick to your Guns. Das Quintett erreichte vor anderthalb Wochen einen weiteren Meilenstein in seiner Karriere. Als erste amerikanische Hardcore-Band spielten sie, ermöglicht von der Hardcore Help Foundation, ein Konzert in Kenia. Dies unterstreicht den Stellenwert, den die Band in der Hardcore-Szene innehat. In einem kurzen Set von 30 Minuten brachten Jesse Barnett & Co. die Messages, die ihre Texte liefern, allesamt herüber: Zusammenhalt, Toleranz, Einheit, Gleichheit und Hoffnung. Das Publikum erkannte dies früh und ließ sich bei keinem Song lange bitten, den Pit zu eröffnen und die Lyrics hingabevoll zu schmettern. Einziges Manko: Songs wie ,,What Choice Did You Give Us’’, ,,Empty Heads’’ oder ,,Universal Language’’ sind nicht für große Mehrzweckhallen wie die Jahrhunderthalle gemacht. Eine Band wie Stick to your Guns benötigt unmittelbare Publikumsnähe. Diese werden sie uns hoffentlich auf der nächsten eigenen Headliner-Tour mit einem neuen Album geben. Bis dahin: Forever us, against them all!

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Peinlich, peinlicher, Asking Alexandria. Die Skandalband des Metalcores und mitunter ein Grund, warum dieses Genre so verpönt ist, spaltete das Publikum. Zum einen waren da die Fans der Band, zum anderen die, die es nicht waren – und mit Sicherheit nicht mehr werden. In gut 45 Minuten machte das Quintett und allen voran Frontmann Danny Worsnop alles falsch, was man nur falsch machen kann. Was Stick to your Guns an wichtigen Motiven aufgebaut hatten, rissen die Briten wieder ein. Mit belanglosen oder sexistischen Texten, absolut unmotivierten Publikumsansprachen oder stimmlichen Irritationen sorgte die Band teilweise für verwirrte Blicke im Publikum. Instrumental variationslos und mit Schlagzeugzwischenspielen vom Band wirkte die Boygroup mehr als unmotiviert. Tiefpunkt der Performance war ein Rülpser von Worsnop ins Mikrofon. Der Sänger kam zudem unentschlossen herüber. Sollte er wie bei seinem Soloprojekt countrymäßig singen oder tiefe Growls ins Mikro hauchen? Ein Wirrwarr dazwischen kam am Ende zum Vorschein. Den größten Jubel entfachten die Emokids, als nach ihrem Auftritt das Banner abgehängt wurde.

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Umso größer war die Begeisterung, als die ersten Töne von ,,Wild Eyes’’ erklangen und Parkway Drive die Bühne betraten. Beim Breakdown zu Beginn des Songs fiel der Vorhang und das Bühnenbild kam zum Vorschein und dieses war mehr als großartig. Schlagzeuger Ben Gordon saß mit seinem Drumset in einem Käfig, der später noch seinen großen Auftritt haben sollte. Daneben fanden sich auf jeder Seite zwei Hebebühnen. All dies war umgeben von Lampen, Lampen und Lampen. Die Energie, die die Band ab der ersten Minute auf die Bühne brachte, übertrug sich um ein Vielfaches auf das Publikum. Der Moshpit ließ sich nicht lange bitten und bereits im anschließenden ,,Carrion’’ hechelten die ersten Fans nach Luft. Die große Feuershow eröffneten die Surferboys aus Australien mit dem folgenden ,,Dedicated’’, dessen Unbreakable-Line zudem Pate für den Tournamen ist. Parkway Drive wären nicht Parkway Drive, wenn sie nach diesem Starttrio nicht weiter Vollgas geben würden. ,,Vice Grip’’ wurde zum gigantischen Crowdsurfer-Meer, ,,Karma’’ evozierte den ersten Circlepit der Show und ,,Sleepwalker’’ und ,,Dark Days’’ sorgten für etwas Nostalgie-Gefühl unter den Fans. So großartig ,,Ire’’ sein mag, die alten Songs ballern immer noch extrem!

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Mit ,,Destroyer’’ fand’ auch der Song, mit dem Parkway Drive ihre Liveshow seit dem Release von ,,Ire’’ bis zur aktuellen Tour stets begannen, einen Platz im Set und machte sich in der Mitte des Konzertes erstaunlich gut. Das anschließende ,,Boneyards’’ sorgte im Publikum für regelrechte Begeisterungsstürme, schließlich verkam der Song in letzter Zeit zu einer Live-Rarität. Danach durften sowohl die Band als auch das Publikum kurz durchschnaufen. Mit ,,Writings on the Wall’’ spielte die Band ihren ruhigsten Song, der fast einer Ballade gleicht. Die Instrumentalisten ergriffen die Chance und bestiegen zum ersten und letzten Mal die Hebebühnen, welche neben dem Schlagzeugkäfig platziert waren. Danach stimmte Gitarrist Jeff Ling das markante Riff von ,,Idols and Anchors’’ an und alle 3.500 Fans sangen dies euphorisch mit.
’’We don’t do this often, but this is the shit we grew up with.’’ Mit ,,Bulls On Parade’’ fand’ auch ein Cover von Rage Against the Machine’s Klassiker seinen Weg auf die Bühne der Jahrhunderthalle. Und dieses Cover hatte sich wirklich gewaschen und verdeutlichte, was für ein guter Vokalist Winston McCall inzwischen geworden ist.

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Nun schlug die große Stunde von Schlagzeuger Ben Gordon. ,,Swing’’ stellte den letzten Song des regulären Sets dar. Mitten im Song richteten sich alle Lichter auf den Drummer und der Rest der Band verließ die Bühne. Was folgte, war ein Schlagzeugsolo der absoluten Oberliga. Nicht nur die Lichtshow oder die Länge des Solos waren beeindruckend, auch musikalisch zeigte Ben Gordon, was er draufhat. Und plötzlich bewegte sich der Käfig und drehte sich zur Seite! Nach einer Drehung von 90 Grad blieb der Käfig immer wieder kurz stehen und wenn das schon nicht genug gewesen wäre, folgte auch eine Drehung um 360 Grad und Schlagzeugspiel auf dem Kopf! Der absolute Wahnsinn und Höhepunkt dieser gigantischen Liveshow. Mit der ersten Zugabe ,,Crushed’’ kehrten Parkway Drive zurück zur Pyrotechnik, bevor im abschließenden ,,Bottom Feeder’’ die Band zum letzten großen Schlag ausholte. Der finale Breakdown verwandelte die Jahrhunderthalle in einen einzigen großen Moshpit, den Sänger Winston McCall als ’prison riot’ bezeichnete. Ein mehr als würdiges Finale für eine der besten Liveshows des Jahres.

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Parkway Drive sind in der Form ihres Lebens. Was die fünf Australier auf ihrer aktuellen Tour auf die Bühne stellen, ist sensationell. Dabei verblenden sie nicht mit ihrer Bühnenshow, sondern performen ihre Musik dazu mehr als perfekt. Frontmann Winston McCall zeigte sich spürbar begeistert und glücklich über den Support, den seine Band bekommt. Parkway Drive steigen mit ihrer ,,Unbreakable’’-Tour endgültig in den Metal-Olymp auf. Wer die Chance hat, das Quintett auf dieser Tour live zu erleben, sollte diese ergreifen. Noch Fragen?

© Fotos von Valentin Krach

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Jonathan Schütz

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