Livereview: Papa Roach + Support, Stadthalle Offenbach, 28.09.2017

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Auch mehr als 17 Jahre nach ihrem Überalbum und Überraschungshit ’’Infest’’ können Papa Roach noch Hallen füllen. Mit Emil Bulls und Callejon im Gepäck wurde die Stadthalle in Offenbach am Main zum Mosh-Zentrum Hessens.

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Nachdem Frank Carter & the Rattlesnakes die komplette Tour aufgrund gesundheitlicher Probleme ihres Frontmanns, dem wir an dieser Stelle gute Besserung wünschen, absagen mussten, hatten Emil Bulls nun die ehrenvolle Aufgabe, die Show zu eröffnen. Bei der 1995 in München gegründeten Alternative-Metal-Band kann man sich stets auf eine gelungene Liveshow verlassen. So auch an diesem Abend. Das Quintett konnte erste Mosh- und Circlepits für sich verzeichnen und so Werbung für ihr heute erscheinendes Album ’’Kill Your Demons’’ machen. Nach einer guten halben Stunde räumten die Bayern die Bühne für den nächsten deutschen Metal-Act.

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Callejon besitzen zwar einen spanischen Bandnamen, auf die Bühne traten statt Sombrero tragenden Paella-Köchen allerdings schwarz gekleidete Metalheads aus Deutschland. Die ,,enge Gasse’’ veröffentlichte Ende Juli mit ’’Fandigo’’ ein neues Album. Während andere Bands diesen Anlass nutzen und ihr Live-Repertoire zum großen Teil mit neuen Songs füllen, fanden mit ’’Monroe’’ und ’’Utopia’’ lediglich zwei Songs den Weg in die Offenbacher Stadthalle. Der Schwerpunkt lag eindeutig auf ’’Blitzkreuz’’, das mit vier Songs vertreten war. Callejon lieferten eine sehr gute Livevorstellung ab. Mit ’’Schwule Mädchen’’ und ’’Schrei nach Liebe’’ ertönten auch zwei Cover aus ’’Man spricht Deutsch’’, bei denen sich das Publikum textsicher zeigte. Emotional wurde es bei ’’Kind im Nebel’’, während ’’Porn from Spain 2’’ auch ohne die üblichen Gäste für pure Ekstase sorgte. Vorhang auf für den Headliner!

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Oder eher Vorhang runter. Denn während der kompletten Umbaupause bedeckte ein Vorhang das Bühnenbild. Nach zehnminütiger Verspätung ertönte um 21:10 Uhr endlich das Intro, in dem eine weibliche Stimme das Publikum dazu aufforderte, den Mittelfinger zu erheben und ,,fuck Papa Roach’’ zu sagen. Gesagt, getan. Mit ’’Crooked Teeth’’ eröffneten die Kalifornier ihr Set. Nach dem Titelsong ihres im Mai erschienenen neuen Albums, der nur so vor Power strotzt, läuteten Papa Roach den ersten Teil ihrer Hitparade ein. Mit ’’Getting Away With Murder’’ und ’’Between Angels and Insects’’ folgten zwei absolute Klassiker der Band. Frontmann Jacoby Shaddix waren seine Stimmbandoperationen vor wenigen Wochen nicht anzumerken und an ihrer Live-Energie haben die US-Amerikaner nichts eingebüßt. Songs aus ’’Crooked Teeth’’ fügten sie geschickt in die Setlist ein, sodass während der kompletten 90 Minuten ein guter Mix aus alten und neuen Songs bestand. Dass mit ’’Song 2’’ auch ein Cover vertreten war, hat eine langlebige Band wie Papa Roach nicht nötig, komplett unnötig ist jedoch auch etwas anderes.

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Tribut zollten Jacoby Shaddix & Co. dem im Juli verstorbenen Chester Bennington, als sie während ’’Forever’’ den Refrain von ’’In the End’’ anstimmten. Shaddix stimme anschließend eine sehr emotionale Rede an und machte allen, denen es psychisch schlecht geht, Hoffnung, indem er von seinen eigenen Dämonen sprach und wie er sie besiegen konnte. Obwohl Papa Roach ’’Lifeline’’ spielten, ließ sich das beste Gitarrenriff, das Gitarrist Jerry Horton bislang geschrieben hat, nicht blicken, da der Song in einer langsamen Variante performt wurde. Schade! Mit ihrer Hitsingle ’’Help’’, die allen Konzertbesuchern mit Sicherheit immer noch in den Köpfen herumspringt, beendete die frühere Nu-Metal-Band den Hauptteil ihres Konzertes. Im Zugabenblock gaben Papa Roach noch einmal alles. Sänger Shaddix explodierte förmlich vor Energie und schmiss seinen Mikrofonständer gegen das hinten aufgehängte Banner und begab sich zum Evergreen ’’Last Resort’’ ins Publikum. Schlusspunkt setzte ’’… To Be Loved’’, in dem es darum geht, geliebt zu werden. Die gutgefüllte Offenbacher Stadthalle liebte Papa Roach von ganzem Herzen.

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Auch nach mehr als 15 Jahren im Business sind Papa Roach kein bisschen müde geworden. Mit einer ausgeglichenen Setlist, enormer Energie und guten bis sehr guten Support Acts lieferte die Rock-Band eine hervorragende Show ab. Und auch das Publikum gab trotz gefühlter 30 Grad Celsius alles. So kann der Konzertherbst gerne weitergehen!

© Fotos von Valentin Krach

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Jonathan Schütz

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