Livereview: Pagan + Support, Kesselhaus Wiesbaden, 20.05.2019

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Hardcore gepaart mit Black Metal, Rock’n'Roll und Punk: Pagan bringen nicht nur eine musikalisch höchst einzigartige Genre-Mischung auf die Bühne, sondern zelebrieren diese auch noch mit einer von Wein getränkten und verführerischen Tanzeinlagen bestimmten Bühnenshow.

Microwave-1Bevor das australische Quartett allerdings für einen amtlichen Abriss sorgen darf, ummanteln Microwave das halb gefüllte Kesselhaus mit melancholischem Emo-Rock, der gelegentlich aus sich herausbricht. Kuriosität: Mit zehn Songs ist die Setlist der US-Amerikaner um einen Song länger als die von Pagan, während beide Auftritte mit rund 40 Minuten knackig-kurz ausfallen. Bei Microwave steht das noch aktuelle Album Much Love mit fünf Songs noch im Mittelpunkt der Songauswahl, von der vergangenes Jahr erschienenen EP Keeping Up gibt es nur den Titeltrack auf die Ohren. Obwohl die Musik des Quartetts zu gefallen weiß, wirkt die Support-Auswahl im Zusammenhang mit der australischen Rasselbande leicht unglücklich gewählt, da intensive Moshpit-Action doch eher aus dem Rahmen fallen würde.

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Diese gibt es bei Pagan dagegen trotz eines nur halb gefüllten Kesselhauses in einem Ausmaß, dass Frontfrau Nikki Brumen die hessische Landeshauptstadt mal eben zur neuen Lieblingsstadt ihrer Band tauft. Getauft werden die Konzertbesucher heute Abend ebenfalls, als Holy Water fungiert bei den Australiern Rotwein, den vor allem Brumen äußerst zu genießen scheint, lässt sie diesen doch vereinzelt aus ihrem Mund auf die Bühne herabregnen. Die neun Songs, die Pagan ihren Fans heute Abend entgegen knallen, stammen alle vom vergangenes Jahr erschienenen Debüt Black Wash, das schon mit seinem Cover für ein größeres Alleinstellungsmerkmal sorgte als manch andere Band es im Laufe ihrer gesamten Karriere schaffen. Das umgedrehte Kreuz, auf dem eine brennende Kerze thront, schmückt in schickem Pink auch den Backdrop der Bühne, während Fake-Rosen die Verstärker-Türme neben dem Schlagzeug verschönern.

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Schickes Ambiente, das fast zum Pastaessen einlädt. Jegliche Gedanken an italienische Idylle werden jedoch vom Black-Metal-Gekreische Brumens ausgelöscht und bekommen vom stampfenden Hardcore-Rock’n'Roll-Sound den endgültigen Todesstoß versetzt. Lebendig wie nie gibt sich heute Abend Brumen, die auf der Bühne alle Facetten zwischen kindlicher Euphorie, intensiver Verführung und leicht asozialem Verhalten ausspielt. So kommt es, dass sie sich mal in die Hände spuckt und dies im Publikum verteilt oder sich zu ihrem eigenen Geschrei auf dem Boden der Bühne räkelt. Das ist ganz großes Entertainment und mehr als schade, dass Pagan bislang nur auf Material eines Studioalbums zurückgreifen können. Was die Australier aus dem eh schon fantastischen Material machen, ist aber mehr als grandios.

© Fotos von Valentin Krach

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Jonathan Schütz

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