Livereview: Northlane, Essigfabrik Köln, 08.12.2017

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Vielen Bands bricht ein Sängerwechsel regelrecht das Genick. Ganz anders bei NORTHLANE. Die Band aus Australien hat mit dem Schritt Marcus Bridge als Sänger in die Band zu holen wahrscheinlich eine der besten Entscheidungen ihrer Bandgeschichte getroffen.

Nach einer Headliner-Tour vor zwei Jahren und diversen Festival-Auftritten in diesem und im letzten Jahr waren Northlane kürzlich wieder auf Headliner-Tour hier bei uns unterwegs und mit im Gepäck waren ERRA, INVENT, ANIMATE und OCEAN GROVE, alle das erste mal in Europa und somit die erste Chance, diese grandiosen Bands zu sehen.

Ich war am 08.12.17 auf der Show in der Kölner Essigfabrik vor Ort und im nachfolgenden Teil könnt ihr alles über den Abend lesen.

Den Anfang machten OCEAN GROVE, von denen ich leider, dank dem abendlichen Berufsverkehr in Köln nicht alles mitbekommen habe. Die ebenfalls aus Australien stammende Band schien aber schon ganz gut Laune im Publikum zu verbreiten und die Jungs zeigten sich äußerst dankbar und erfreut darüber, dass sie so herzlich auf ihrer ersten Show in Köln aufgenommen wurden. OCEAN GROVE haben einen sehr eigenen Stil und falls ihr Sie noch nicht kennt, solltet ihr auf jeden Fall mal reinhören. Ich bin mir sicher, dass winsdt_2017_final2r von den Jungs rund um Sänger Luke Holmes in Zukunft mehr hier in Europa hören werden.

Im Anschluss betraten INVENT, ANIMATE die Bühne. Besonders Fans der ersten beiden Northlane Alben dürften sich schnell mit der Band aus Port Neches, Texas anfreunden können, da der Stil sich sehr stark ähnelt. Auch die Stimme von Sänger Ben erinnert stark an Adrian Fitipaldes. Leider war der Sound während ihres Sets schon von anfang an nicht der beste und wurde zum Ende her eher durchwachsener, als besser. Trotzdem lieferten INVENT, ANIMATE eine gute und solide Show ab. Besonders auf Songs wie „Agora“ und „Dead Roots“ aus dem aktuellen Album „Stillworld“ hatte ich micht sehr gefreut und wurde auch nicht enttäuscht. Auch hier bleibt zu hoffen, dass die Band sich schnell wieder hier blicken lassen wird.

Eines meiner persönlichen Highlights stand jetzt bevor: ERRA. Seit sieben Jahren habe ich auf die Chance gewartet, die Band endlich mal live sehen zu dürfen. Und nun war es endlich soweit. Ein wenig erstaunt war ich trotzdem darüber, dass diesen Gedanken scheinbar auch viele andere im Publikum zu teilen schienen. Das schlechte an so langem Warten ist immer, dass man unglaublich hohe Erwartungen an die Band mitbringt. Da ist die Gefahr natürlich groß, dass man enttäuscht wird, wenn es dann so weit ist.

Die Band wurde 2009 in Birmingham, Alabama gegründet und veröffentlichte bereits drei Eps und drei Alben. Ihr aktuelles Werk „Drift“ erschien 2016 und ist das erste Album mit Sänger JT Cavey, der ehemals Frontmann der Band TEXAS IN JULY war und seit 2015 neu in der Besetzung ist. Passend dazu eröffneten ERRA ihr Set mit „Luminesce“, dem ersten Song von „Drift“. Direkt wurde mir klar, dass die Band an dem Abend alle meine Erwartungen erfüllen würde. Sogar der Sound war nahezu perfekt. Aushängeschild von ERRA sind unter anderem die außergewöhnlichen Clean-Vocals von Jesse Cash, welche dieser in unglaublicher Perfektion live präsentiert hat. Klassiker wie „Impulse“ und das grandiose „Hybrid Earth“ durften natürlich auch nicht fehlen und wurden neben Songs vom neuen Album auch gespielt. Mit „Skyline“ verabschiedeten ERRA von der Bühne und ließen mich, wie auch das restliche Publikum erstaunt und glücklich stehen. Zu kurz. Eine zu kurze Show für eine solche Band, die locker auch Headliner Shows bei uns verdient hätte.

Und dann war es soweit. Mit “Colourwave” eröffneten NORTHLANE ihr Set. Ich bin immer wieder neu begeistert von den wahnsinnig guten Vocals, die Marcus auch bei den Konzerten abliefert. Während er mir damals im Interview noch gestand, dass er bei den ersten europäischen Shows damals im Vorprogramm von Heaven Shall Burn ziemlich nervös war, zeigt er mittlerweile deutlich, dass er sich vollständig als Frontmann etabliert hat. Überraschend ging es mit „Worldeater“ und „Rot“ weiter. Ich habe in der Vergangenheit schon oft bei Shows von anderen Bands erwähnt, dass ich es extrem schade finde, wenn ältere Songs bei den Shows zu kurz kommen und nur neues Material gespielt wird. Das ist der Struggle, den jede Band nach einigen Veröffentlichungen hat: Spielt man fast nur neues Material, kommen die Klassiker zu kurz. Ignoriert man das, kann man dafür genügend vom neuen Release präsentieren. Bei NORTHLANE war das an diesem Abend keineswegs der Fall. Während die Band einige Songs ihres neusten Werkes „Mesmer“ spielte, kamen trotzdem ältere Songs nicht zu kurz. Egal ob „Quantum Flux“, „Dream Awake“ oder sogar „Dispossession“, alles war dabei. Anmerken sollte man dabei auf jeden Fall, dass auch die Songs, die vor dem Einstieg von Marcus Bridge in die  Band entstanden sind von ihm unglaublich gut umgesetzt werden. Besser als je zuvor. Ich stand damals schon bei der Show im Underground Köln mit Gänsehaut und offenem Mund vor der Bühne, als ich zum ersten Mal „Dream Awake“ mit seiner Stimme hören durfte.

Mit „Mesmer“ haben NORTHLANE ein Album geschaffen, das sehr gut an das vorherige Werk „Node“ anknüpft und haben dort noch mehr ihren neuen Sound gefunden. Das merkt man vor allem auch bei den Shows. Wenn ich die Show der Band mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre das ganz klar: atmosphärisch. Ganz klar stechen sie mit ihrem Sound auch aus vielen anderen Bands, egal ob hier in Deutschland oder in ihrer Heimat heraus.

Zum Ende gab es dann noch den Song „Intuition“ zu Hören, nach dem die Jungs dann von der Bühne verschwanden, nur um wenig später mit dem atmosphärischen „Paragon“ als ungewöhnliche Zugabe zurückzukehren. NORTHLANE haben auf der Bühne noch nie enttäuscht und ich glaube, das werden sie auch nie. Ein Abend, der wie alle guten Konzerte viel zu schnell vorbei zu sein scheint. Man geht aus der Essigfabrik und würde am liebsten umdrehen um den ganzen Abend nochmal von Anfang an zu erleben.

NORTHLANE haben wie immer eine grandiose Show geliefert und eindrucksvoll bewiesen, dass sie auch in Deutschland und Europa im allgemeinen gewachsen sind und mit „Mesmer“ viele neue Fans dazu gewonnen haben. Ich freue mich schon auf das nächste Mal!

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Chris Zimmermann

- Gitarre bei MIND LIKE HURRICANES

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