Livereview: Mine & Fatoni + Support, Schlachthof Wiesbaden, 10.12.2017

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Auf das gemeinsame Album folgte die gemeinsame Tour: Die Mainzer Singer/Songwriterin Mine und der Münchener Rapper Fatoni sind mit freundlicher Unterstützung von Tristan Brusch durchs Land gereist und haben ihre Platte “Alle Liebe nachträglich“ präsentiert.

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Mit Brusch hat sich das ungleiche Duo einen engen Freund als Support-Act ins Boot geholt. Die Bühne eines knapp halbvollen Schlachthofs betrat der Gelsenkirchener in einem Meer aus Rauch, das den Singer/Songwriter zunächst kaum zu erkennen gab. Dieser spielte sich in gut 35 Minuten mit Begleitung eines Keyboarders durch noch viel unveröffentlichtes Material – bislang hat Brusch nur die vier Songs starke EP “Fisch“ veröffentlicht, sein Debütalbum soll im nächsten Jahr folgen. Der 29-Jährige hat sich durch und durch der Kunst verschrieben. Neben seinem stilistisch interessanten Outfit besaß jeder vorgetragene Song einen Hauch Museumsflair: Die Musik des Tristan Brusch ist keine beiläufige Beschallung, sie verdient es, in einem fokussierten Zustand mit einem gewissen Anspruch gehört zu werden. Sein Moment des Abends sollte jedoch noch folgen.

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Zum Intro-Song “Formidable“ des belgischen Musikproduzenten Stromae betraten Mine und Fatoni mit ihrer vierköpfigen Band die Bühne. Die Idee zum Kollaborationsalbum sei den beiden Musikern gekommen, als sie Ende 2015 zusammen in eben jenem Schlachthof nach einem Support-Gig Fatonis für Fettes Brot viel Alkohol konsumiert hatten und dieser Song im Backstage-Bereich ertönt war. Mit “Traummann“, “Aua“ und dem großartigen “Romcom“ verwöhnte das Sextett auf der Bühne alle angereisten Fans und fand’ die perfekte Mitte zwischen kunstvoller Darbietung a la Mine und unterhaltendem Hip-Hop aus dem Hause Fatoni. Beide Künstler waren zudem mit einem Sample-Feld ausgestattet und lockerten ihre Ansagen immer wieder mit Einspielern auf. Mit zehn Songs kann man keinen ganzen Abend füllen, weswegen sowohl Mine als auch Fatoni ohne den/die jeweilige/n Partner/in einzelne Solo-Tracks performten.

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Den Anfang machte die unter ihrem bürgerlichen Namen bekannte Jasmin Stocker. Mit “Der Mond lacht“, “Essig auf Zucker“ und “Katzen“ streute sie ihre bekanntesten Songs ein, bis sie mit ihrer Band die Bühne verließ und sich die Augen ans andere Ende der Halle richteten. Dort wurde Fatoni angestrahlt und performte für die Länge eines Tracks von dort. Wieder auf der Bühne angekommen, spielte der Rapper all seine Unterhaltungsfähigkeiten aus und gab vermehrt Songs seines 2015 erschienenen Albums “Yo, Picasso“ zum Besten. Wieder mit Mine vereint, drehten die beiden noch einmal auf und spielten alle verbliebenen Songs ihres Albums. Dazu gehörte verständlicherweise auch der Track “Mehr“, bei dem Tristan Brusch noch einmal auf die Bühne kam und von dort in den Fotograben sprang, um seinen Gastbeitrag beizusteuern. In Otto-Waalkes-Manier schlich er im Anschluss heimlich wieder auf die Bühne, um den vergessenen Alkohol abzuholen. Mit den Zugaben “Tattoo“ und “Schminke“ beendeten Mine und Fatoni nach 95 Minuten ein famoses Konzert.

Da haben sich zwei (musikalisch) gefunden. Ob “Alle Liebe nachträglich“ ein einmaliges Projekt sein wird, bleibt abzuwarten. Mit einem bunten Programm schnürten die beiden Künstler für beide Fanlager-Seiten ein gelungenes Paket, dessen hohe Livequalität beide Musiker wie im Studio klingen ließ. Die fantastische Liveband konnte zudem pointiert punkten, ohne Frontfrau und Frontmann die Show zu stehlen. Chapeau!

© Fotos von Valentin Krach

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Jonathan Schütz

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