Livereview: Millencolin + Support, Schlachthof Wiesbaden, 25.04.2019

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Was haben schwedischer Skatepunk und hessischer Ebbelwoi gemein? Beide sind an diesem Donnerstag beim Schlachthof in Wiesbaden anzutreffen. Vor dem Konzert kann man beobachten, wie sich die eifrigen Besucher*innen draußen im Park dem heimischen Fruchtwein bei den „Schoppetagen“ widmen – um anschließend dem vertrauten Sound von Millencolin zu frönen.

Bevor es so weit ist, präsentieren jedoch erst einmal Woes ihren glatt polierten Pop-Punk. Die Jungs aus Schottland sind seit gut drei Jahren unterwegs und haben ein paar nette Songs auf Lager. Aufregend ist das Ganze allerdings nicht – sicherheitshalber wird auf dem altbekannten Konzept „bisschen Emo, bisschen Melodie“ herumgeritten. Musikalisch und stimmungstechnisch ist da noch Luft nach oben.

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Zugegeben, Millencolin sind bekanntlich auch nicht die, die das Rad neu erfinden. Seit über 25 Jahren spielen sie unermüdlich melodischen Skatepunk, der sich als treuer Begleiter aller im Ansatz punkrockaffinen 90’s-Kids erwiesen hat. Und das, wenn man sich die Fans an diesem Abend so anschaut, nicht nur während deren Teenagerjahren. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Vertretern dieses Genres ist es Millencolin gelungen, auch nach dem Abebben des großen Hypes nicht klanglos in der Versenkung zu verschwinden. Und genau das macht eben den Unterschied: Ihre Musik ist Kult.

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So wird auch an diesem Abend im Schlachthof angemessen Bier verschüttet, gehüpft und im Circle Pit um die Wette gerannt. Die Band hat sichtlich Bock und präsentiert eine Auswahl an Songs aus allen Dekaden. Passend dazu wird immer wieder das Bühnenbanner im Hintergrund ausgetauscht, um die ohnehin nostalgischen Fans noch mehr anzufeuern. Zwar beginnen Nikola, Mathias, Erik und Fredrik mit dem Titeltrack ihres aktuellen Albums SOS (2019), gleich darauf folgen aber schon Bretter wie Penguins & Polarbears, No Cigar und Fox der legendären 2000er Scheibe Pennybridge Pioneers. Auch das melancholische The Ballad und zwei Titel des vorletzten Albums True Brew (2015) werden zum Besten gegeben. Gitarrist Erik Ohlsson beichtet gegen Ende, dass er selbst am Liebsten die alten Lieder spielt – und so gibt es zur großen Freude der Mädels und Jungs im Moshpit eben auch noch Bullion, Lozin‘ Must und als Zugabe Mr. Clean vom Debütalbum Same Old Tunes (1994) auf die Ohren. Die Menge ist entzückt. Alle sind zufrieden. Millencolin können locker auch in fünf Jahren noch Halt in Wiesbaden machen – und sich dabei der Unterstützung gutgelaunter, treuer Fans sicher sein.

© Fotos von Jonathan Schütz

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Lisa Rölle

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