Livereview: Maximo Park + Peaness, Batschkapp Frankfurt, 09.09.2022

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Corona, Lockdowns, Brexit – die vergangenen Jahre waren nicht einfach für britische Bands. Das gilt auch für Maximo Park, die ihr neues Album Nature Always Wins nach anderthalb Jahren nun endlich auch auf die europäischen Bühnen bringen können und zudem auf ihrer ersten Deutschland-Tour seit fünf Jahren einmal mehr unter Beweis stellen, warum sie zu den konstantesten Indiebands der 00er-Jahre gehören.

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Mit Peaness haben sich Maximo Park eine Newcomer-Band ins Vorprogramm geholt, die sich ebenfalls Gedanken um den Zustand ihrer englischen Heimat – und darüber hinaus – macht. Das verdeutlicht nicht nur World Full Of Worry, der Titel ihres im Mai erschienenen Debütalbums, sondern auch den Brexit und das dadurch erschwerte Touren durchs europäische Festland thematisierende Ansagen des Trios. Ihren bekanntesten Song Oh George kündigen die Britinnen zudem als Anti-Tories-Song an, der anschließend mit treibendem Schlagzeugspiel zu gefallen weiß. Das gilt auch für die Performance von Peaness an sich, die nicht nur eine grundsympathische Ausstrahlung besitzen, sondern zudem eine ansteckende Mischung aus Zuckerwatte-Indiepop und druckvollerem Indierock mit phasenweise Punk-Einschlag spielen, die wieder einmal beweist, dass es Großbritannien weiterhin nicht an talentierten und spannenden neuen Gitarrenbands mit Pop-Einschlag mangelt.

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Pünktlich zur Primetime um 20:15 Uhr erleuchtet schließlich der den gesamten Abend über bereits omnipräsent in Erscheinung getretene Banner, auf dem der Name von Maximo Park in Glitzerschrift prangt. Das verdeutlicht einmal mehr, dass die Band aus Newcastle im Laufe ihrer Karriere den Funk für sich entdeckt hat, ohne sich jedoch vom Indierock abgewendet zu haben. Vielmehr balanciert das Trio, das live dank Bassist Paul Rafferty und Keyboarderin Jemma Freese zu einem Quintett anwächst, seine musikalischen Vorlieben mittlerweile hervorragend aus. Das illustriert bereits der Opener All Of Me, dessen Synthesizer-Melodie sich live noch besser an den rockigen Gesamtsound anschmiegt. Mit The Coast Is Always Changing folgt bereits einer von nur zwei Songs vom zeitlosen Debütalbum A Certain Trigger, bevor sich Frontmann Paul Smith seines schwarz-roten Langarmhemds entledigt und ab dem dritten Song Baby, Sleep im schwarz-weiß karierten Kurzarmhemd über die Bühne huscht. Während der Rest der Band die insgesamt 19 Songs recht statisch, musikalisch aber einwandfrei herunterspielt, macht Smith dies mit ekstatischen Bewegungen und einem eleganten Umgang mit seinem Mikrofonständer wett. Überhaupt gibt sich der charismatische Hutträger den kompletten Abend über sehr nahbar und gibt immer wieder einige Deutschkenntnisse zum Besten.

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So sei Newcastle keine funky Stadt, was Maximo Park jedoch ändern wollen, so Smith. Es folgt mit The Hero ihr funkiester Song, und mit The National Health ihr punkigster. Im Vorfeld vom nachdenklichen Child Of The Flatlands bezeichnet Smith seine Heimat als krank, wohingegen der Song für eine Welt ohne Grenzen stehe. Nach dem erst im März veröffentlichten und flotten Great Art betont Smith die Universalität von Calm, der zwar von zwei bestimmten Personen und deren Liebe zueinander handele, jedoch eine ganz eigene Bedeutung für jede einzelne Person egal welcher Sexualität haben könne. Books From Boxes läutet schließlich das Finale ein und lässt schnell zahlreiche Handys als auch die allgemeine Lautstärke nach oben schnellen. Anschließend tragen Maximo Park die kürzlich veröffentlichte deutsche Version von Versions Of YouVersionen von dir – vor, um sich in tiefstem Herzen für die langjährige Unterstützung ihrer deutschen Fans zu bedanken. Auch wenn man Paul Smith höchstens im Refrain versteht, ist es urkomisch, wie er mit einem Textblatt in der Hand über die Bühne stolziert. Nach By The Monument verschwinden Maximo Park erstmals in den Katakomben und werden zurecht lautstark gefeiert, sodass die Band recht schnell wieder auf der Bühne auftaucht und mit Partly Of My Making, Our Velocity und Apply Some Pressure drei hitlastige Zugaben nachreicht. Als hätte es noch keine Zugaben gegeben, folgt anschließend weiterer minutenlanger Applaus, der erst dann verstummt, als die Hallenbeleuchtung wieder eingeschaltet wird und allen klar ist, dass Maximo Park das perfekte Ende eines großartigen Auftritts gelungen ist.

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Jonathan Schütz

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