Livereview: Mastodon + Support, Schlachthof Wiesbaden, 30.01.2019

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Als würden Mastodon alleine nicht für ein grandioses Konzert ausreichen, haben sich die Progressive-Metal-Pioniere auch noch zwei bärenstarke Vorgruppen ins Boot geholt, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Mastodon

Mutoid Man kann man getrost als die derzeit spaßigste Metal-Band bezeichnen. Converge-Schlagzeuger Ben Koller und Cave-In-Gitarrist Stephen Brodsky haben die Band 2012 als Nebenprojekt gegründet und sich noch Bassist Nicholas Cageao dazu geholt. Auf bislang einer EP und zwei Alben wirft das Trio sämtliche Metal-Sub-Genres in einen Topf, das Ergebnis schmeckt am ehesten nach Speed und Thrash sowie Progressive Metal und Mathcore. Diese abgefahrene Mischung ist zu früher Stunde im gut gefüllten Schlachthof für einige Besucher vielleicht noch etwas zu viel des Guten, Mutoid Man ziehen ihr halbstündiges Aufwärmprogramm glücklicherweise dennoch konsequent durch. Koller ist bei der gesamten Europatour wegen eines Ellenbogenbruchs leider nicht dabei, ersetzt wird er vom ebenfalls fantastischen Chris Maggio, bekannt durch Wear Your Wounds, das Nebenprojekt von Converge-Schreihals Jacob Bannon. Mutoid Man fackeln in einer halben Stunde in einem atemberaubenden Tempo neun Songs herunter und finden dennoch Zeit für Späßchen: Vor gut jedem Song witzeln Brodsky und Cageao über die etwas andere Bedeutung des Wortes ,,come“ sowie das Fehlen von Koller, Songtitel wie Date With The Devil oder 1000 Mile Stare sind natürlich mehr als geeignet dafür. Als wäre das nicht genug, zeigen sich die beiden – und auch dem Publikum – immer mal wieder den Stinkefinger. Die Zuschauer danken später mit fleißigem Kauf am Merchandise-Stand.

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Für Kvelertak ist es die erste Europa-Tour mit dem neuen Sänger Ivar Nikolaisen, der vergangenen Juli die Nachfolge des überraschend ausgestiegenen Erlend Hjelvik angetreten war. Dass Nikolaisen die perfekte Nachfolgerwahl darstellt, hat er schon mit seiner Band The Good, The Bad And The Zugly und deren aktuellen Hardcore-Punk-Geniestreich Misanthropical House unter Beweis gestellt. Später wird er an der Bar des Schlachthofs anzutreffen sein und sagen, dass er sich ,,heute wie ein Rockstar fühle“, dafür ist er mit seinem Auftreten allerdings selbst verantwortlich. Während seine neuen Bandkollegen allesamt vor ihm die Bühne betreten und Åpenbaringanstimmen, folgt Nikolaisen ganz zum Schluss und erinnert mit Lederjacke und Stirnband an den jungen Axl Rose. Kvelertak und Nikolaisen machen in den folgenden 45 Minuten alles richtig: Unter den zehn Songs finden sich auch Fan-Favoriten wie Fossegrim, die drei Gitarristen werfen sich im Wechsel die tonnenschweren Classic-Rock-Riffs wie Tennisbälle zu und Nikolaisen tut alles, damit man ihn als neues Mitglied akzeptiert: Gleich zweimal lässt er sich, ohne dabei seine vokalen Pflichten zu vernachlässigen, auf den Händen des Publikums tragen, meistert alle noch so schweren Black-Metal-Parts und zum finalen Song Kvelertak schwenkt er eine riesige Fahne mit dem Logo seiner Band über das Publikum. Willkommen in der Familie.

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Man konnte sie schon bei Mutoid Man und Kvelertak im Hintergrund erkennen, der tatsächliche Einsatz der sieben LED-Einzelteile von Mastodon sorgt dennoch für ein absolutes Wow-Gefühl. Ganz beiläufig betritt das Quartett zum Gene-Kelly-Klassiker Singin‘ In The Rain die Bühne, was folgt, gleicht einer absoluten Machtdemonstration. Ihr 90-minütiges Spektakel eröffnen die US-Amerikaner mit Iron Tusk vom zweiten Album Leviathan, gefolgt von March Of The Fire Ants und Mother Puncher vom Debüt Remission. Die Songauswahl gleicht dementsprechend einer Best-of, vom aktuellen Album Emperor Of Sand gibt es nur vier Songs auf die Ohren, von Leviathan dagegen fünf. Von ihren sieben Alben lassen Mastodon lediglich The Hunter komplett aus. Das Ergebnis ist kollektive Ekstase im gesamten Raum. Mastodon haben ihr Publikum schon früh um den Finger gewickelt und beeindrucken mit einem sagenhaften Zusammenspiel aller vier Bandmitglieder, wie es sonst nur wenige Bands schaffen. Jedes Riff, jeder noch so kleine Gesangspart von allen Vieren scheint Teil eines großen Ganzen zu sein, zu dem für die letzten sechs Songs auch noch Neurosis-Mastermind Scott Kelly stößt, zunächst nur mit seiner wuchtigen Stimme, später hängt er sich ebenfalls noch eine Gitarre um den Hals. Eingerahmt wird der auditive Orgasmus von einer fantastischen Lichtshow, welche die ohnehin schon epischen Songs in einem audiovisuellen Rausch aufgehen lassen. Nach atemlosen eineinhalb Stunden beenden Mastodon einen unvergesslichen Konzertabend mit – wie könnte es anders sein – Blood And Thunder. Wie man das beim nächsten Mal noch toppen kann? Höchstens indem man eines der verschiedenen Biere der Grammy-Gewinner an der Bar kaufen kann.

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Jonathan Schütz

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