Livereview: Marteria, Festhalle Frankfurt, 05.12.2022

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Marteria hat mit einer imposanten Bühnenshow, seiner rockigen Liveband und einem so lauten Sound, dass einem danach die Ohren dröhnen, die Festhalle für zwei Stunden auseinandergenommen. Und ein namhafter Special Guest hat auch noch vorbeigeschaut.

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Mit zehnminütiger Verspätung betritt der aus Rostock stammende Rapper im Nebel und vor pulsierenden Lichtern die Bühne der Festhalle. Die ist heute mäßig gefüllt und durch einen großen schwarzen Vorhang verkleinert, wirkt dann aber gut gefüllt. In die nächstkleinere Jahrhunderthalle hätten all die Menschen zudem wohl eher nicht gepasst. Als Support sind heute 01099 dabei, die sich nach der Postleitzahl von Dresden-Neustadt, ihrem Herkunftsort, benannt haben. Das Trio wärmt das Publikum mit Songs wie Durstlöscher, Dies & Das sowie dem abschließenden Frisch – inklusive live vorgetragenem Saxophonsolo – gut auf und singt Marteria ein verspätetes Geburtstagsständchen. Der ist am Sonntag 40 Jahre alt geworden, was er im Anschluss an das sich mit dem Älterwerden auseinandersetzende Sekundenschlaf kurz anspricht. Von Altersmilde fehlt heute Abend jedoch jede Spur. Während Marilyn die Show entspannt eröffnet, entsteht beim folgenden Love, Peace & Happiness erstmals Partystimmung, ehe Endboss zum ersten Mal Futter für den Moshpit liefert.

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Das Bühnenbild auf der Tour besteht aus einer riesigen sowie zwei davor platzierten kleineren LED-Leinwänden, auf denen das gesamte Konzert über Videoanimationen oder Liveaufnahmen des Konzertes gezeigt werden. Nach der Hälfte der Show erleuchtet darauf das Logo von Marsimoto, dem Alter Ego von Marteria. Normalerweise ist ein Medley seines zweiten Projektes Bestandteil einer Marteria-Show, auf dieser Tour gibt es jedoch nur eine Videobotschaft von Marsimoto zu sehen, in der er das Ende dieses Projekts mit einer finalen Tour für 2023 ankündigt. Mit Wald folgt anschließend ein kürzlich veröffentlichter neuer Song, der von der sich mit Umweltschutz und dem Regenwald beschäftigenden Dokumentation „Der Amazonas Job – Der Wald ist nicht genug“ begleitet wurde. Alle Erlöse aus dem Song gehen an Plant for Future e. V., der sich für den Schutz unserer Ökosysteme einsetzt. Auch im Vorfeld von Welt der Wunder ruft Marteria dazu auf, den Planeten zu schützen. Das von heftigem Lichterflackern begleitete Paradise Delay widmet Marteria der hessischen DJ-Legende Sven Väth und zusammen mit Zug der Erkenntnis stellt der Song den Rave-Charakter seines vergangenen Jahr erschienenen Albums 5. Dimension heraus.

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Dazu passt dann auch, dass Marteria Girl in den Beat von Lil Nas X‘ Industry Baby übergeht, ehe die aus Brasilien stammende Sängerin Odara Sol von Marterias Liveband zu einem Rap-Part ausholt, während ein flotter Samba-Part durch die Halle wummert. Zu El Presidente wird im Publikum erstmals ein Bengalo entzündet, ehe zum folgenden Bengalische Tiger vor als auch auf der Bühne weitere Bengalos erleuchten, während am Bühnenrand kleine Flammen lodern. Diesen Ausnahmezustand zum Beginn des zweiten Konzertdrittels entfacht am Anfang des finalen Konzertabschnitts der Saxophon-Beat von OMG!, zu dem ebenso der Moshpit geöffnet wird wie im Anschluss zu Kids (2 Finger an den Kopf), dessen Refrain aus tausenden Kehlen erklingt. Danach begrüßt Marteria „König“ Haftbefehl für den Babos Remix von Ich rolle mit meim Besten auf der Bühne, was die Festhalle endgültig zum Überkochen bringt. Nach Adrenalin inklusive Remix des The-Prodigy-Klassikers Smack My Bitch Up und begleitender Wall Of Death kommt die kurze Pause vor den Zugaben gerade recht. Mit Lila Wolken und Niemand bringt Marten um samt erleuchteter Handylichter wird es zunächst wieder etwas ruhiger, ehe Feuer mit kollektivem Hinsetzen und Aufspringen sowie Flammenwerfern auf der Bühne und das übliche Marteria-Konzertfinale Die letzten 20 Sekunden noch einmal die Energie aufs höchste Level schrauben. Für die vierte und letzte Runde von Die letzten 20 Sekunden sucht Marteria schließlich den „Vollkontakt“ und begibt sich in den Moshpit, versinkt darin und crowdsurft zurück auf die Bühne. So kann man in die Woche starten.

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Jonathan Schütz

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