Livereview: Mantar + Support, Schlachthof Wiesbaden, 08.12.2018

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Ein Konzert mit vier Bands für nur 23 Euro? Und dann noch so ein Geballer? Wir erzählen euch, warum das Mantar Konzert im Schlachthof Wiesbaden schon fast zu einem Black Metal Festival geworden ist.

Mantar (1 von 5)Am frühen Samstagabend finden sich die ersten Gäste in die Halle des geliebten Schlachthofes ein, und wenngleich das Gefühl aufkommt, das Publikum wäre noch nicht wirklich angekommen und in Konzertlaune, so fließt hier schon merklich viel Bier. Die unaufgewärmte Menge beäugt kritisch den ersten Act des Abends: Deathrite aus Dresden eröffnen den Abend mit einem bunten Feuerwerk aus Blackmetal, Blastbeats und unerträglich matschigem Sound. Ohne nun prätentios klingen zu wollen: Die Band wirkt wie ein Griff in die unterste Schublade wenn es darum geht, einen Opener für die aktuelle Tour zu finden. Zu erwartende Breakdowns vereinen sich mit stagnierender Bühnenpräsenz und der Absenz anheizender Ansagen des Sängers Toni, während die Rhythmussektion stark schwächelt und sichtlich mit dem Tempohalten zu kämpfen hat. Das Sahnehäubchen ist der zuvor erwähnte grottige Sound, der dem Quartett vollends den Boden unter den Füßen wegzieht. Womöglich wäre ein Auftritt der Herren im kleineren Rahmen angemessener.

Mantar (2 von 5)Einen krassen musikalischen und klanglichen Schnitt erlebt der Zuschauer anschließend mit den Thrashkünstlern Evil Invaders. Rotlicht zeichnet sich auf dem im Dunkeln lauernden Banner ab und repräsentiert gekonnt die bösen Augen des Monsters, welches später bei hellerem Licht erkennbar wird. Im Handumdrehen verwandelt sich die Bühne in eine Rennbahn für’s Olympiatraining: Die Gruppe um Sänger Jöe “Anus” Van Audenhove scheut sich nicht davor, in ihren 40 Minuten Spielzeit alle ihre Ressourcen zu nutzen und von Synchronheadbangen bis 5-Sekunden-Sprint alles abzuliefern. Der bizarre Mix aus grandioser Bühnenästhetik (siehe Bild) und übermenschlichen Divebombs heizt dem Publikum ordentlich ein, wodurch erste Bewegung initiiert werden kann. Seitens aller Mitglieder herrscht ein hohes Energielevel, welches von starkem Zusammenspiel und Heavy Metal-artigen Screams Audenhoves gestützt wird. Der exklusive Einsatz von Dampfmaschinen zeigt weiterhin, dass Evil Invaders keine Kosten und Mühen scheuen, ganz egal, wo sie auftreten.

Mantar (3 von 5)Bei Skeletonwitch wird schon wieder mehr gen Black Metal genickt, und das Publikum scheint schon warm geworden zu sein. Davon, dass die US-Band sich auf ihrem neuesten Album ein wenig vom puren Thrash abgewendet hat, ist viel zu spüren: Satte Kontraste in Sachen Härte und Gitarrenwänden stehen auf dem Programm, und der Livesound stimmt auch bei dieser Band. In den 45 Minuten Spielzeit beweist dass Quintett mithilfe von herausragenden Leads seitens Gitarristen Nate Garnettes melodische Kompositionskünste, während der Neuzugang Adam Clemans fröhlich vor sich hin brüllt. Letzterer vermeidet es, wie sein Vorgänger (und Bruder des Gitarristen) Chance Garnette vollkommen in genretypische hohen Screams abzudriften und balanciert gekonnt zwischen allen Registern seiner Stimme. Leider wirkt nach dem vorherigen Marathonlauf der Evil Invaders die Performance ein wenig starr, was dem Moshpit dennoch keinen Abbruch tut. Insgesamt spielen Skeletonwitch aber einen technisch sauberen Auftritt und runden diesen am Ende mit dem extensiven Outro von “Red Death, White Light” in epischer Manier ab.

Mantar (4 von 5)Zu guter Letzt gilt mal wieder das altbewährte Prinzip “Weniger ist Mehr”, wenn man von den Gitarrenboxen absieht: Mantar schmücken ihre Bühne mit Kerzen und dem gigantischen Banner; links türmen sich sage und schreibe drei Gitarrenverstärker, ein Bassverstärker und insgesamt fünf Boxen, geschmückt von der Bremer Flagge. Würde man die Band nicht besser kennen könnte man meinen, die Herren würden für irgendetwas kompensieren müssen, doch beim Linecheck offenbart sich bereits, dass hier in Kürze eine schiere Soundwand auf die Menge losgelassen wird. Bewaffnet mit nur einer Gitarre und dem präschenden Schlagzeugspiel von Trommler Erinç Sakarya entkräftet das Duo im Handumdrehen alle vorherigen Gruppen des Abends. Trotz des Fehlens eines Basses zaubert der Frontmann Hanno Klänhardt mit Oktavpedalen ein absolutes Brett voller beinharter Riffs und pedalgesteuerter Samples daher. Sowohl alte als auch neue Lieder von “The Modern Art of Setting Ablaze” erblicken das Tageslicht, oder äh… Kerzenlicht. ‘Seek and Forget’ entpuppt sich an diesem Abend als definitiver Hüpfsong, während ‘Age of the Absurd’ dampfwalzend vor sich hin stampft.

Klänhardt, der seit diesem Jahr nach Florida gezogen ist, ist weder anzumerken, dass die beiden Musiker aufgrund der Distanz weniger proben konnten als zuvor, noch seine Erkrankung an Fieber. “Ein Paar Auftritte mussten wir absagen, aber bei Wiesbaden dachten wir uns… nein, das muss auf jeden Fall sein, denn Wiesbaden ist immer klasse.” Genau so motiviert wie diese Ansage klingt auch das Riffgewitter, was dem Publikum in den beiden Abschlussliedern “Era Borealis” und “White Nights” den Rest gibt. Spoken Word Samples verzieren das Geschehen, während die Band in Black Metal Anleihen abdriftet, die ebenso mitreißend wie furchteinflößend sind. Nach knapp 65 Minuten und einem scheinbar perfekten Auftritt hinterlassen Mantar die Bühne in Rauch, ihr Publikum schweißgebadet und weggepustet. Die Tatsache, dass die Band dabei noch 10 Minuten überzieht, macht das Ganze noch mehr Punk.

Mantar (5 von 5)Am Ende des Abends ist Eines klar: Mantar besitzen eine uneinschätzbare Macht, mit ihrem minimalistischen Setup alles zu zerlegen. Den von Klänhardt versprochenen “Stress” bekommt man bei ihnen allemal, egal ob auf Hallenshows oder Festivals. Mit solidem und weitestgehend spaßigem Support sind Mantar demnach definitiv Jedem zu empfehlen, der seine Wut ein wenig ausleben muss und dabei noch mit grandioser Musik belohnt werden will.

© Fotos von Jonathan Schütz

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Alex Loeb

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