Livereview: Leoniden + Support, Kesselhaus Wiesbaden, 29.11.2018

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Wie Leoniden weiter an der Herrschaft über den deutschen Indie arbeiten und ihnen zahlreiche Kuhglocken dabei fast in die Quere kommen. Ein Erfahrungsbericht.

Leoniden Vorband (1 von 1)

Natürlich ist auch die Show im Kesselhaus, dem Club des Wiesbadener Schlachthofs, ausverkauft. Das unermüdliche Touren sowie die schnelle Nachlieferung des zweiten, fantastischen Albums Again scheint sich für die Kieler nun bezahlt zu machen – der Hype ist real. Vorher wickelt aber noch Singer/Songwriter Lueam für gute 25 Minuten die rund 400 Konzertbesucher mit größtenteils noch nicht veröffentlichten Songs ein. Der ehemalige Findus-Frontmann arbeitet derzeit mit mehreren Musikern an seinem Solodebüt, auf der Bühne steht er allerdings alleine, da seine Kollegen ,,keinen Bock auf elf Tage Touren“ hatten. Musikalisch bewegt sich Lueam zwischen ruhigem, elektronischen Indiepop und mal ausuferndem Industrial. Eine spannende Mischung, die er bei seinem vorerst letzten Support-Slot in der hessischen Landeshauptstadt auf die Bühne bringt.

Leoniden (1 von 3)

Gerade einmal acht Monate ist es her, dass Leoniden das letzte Mal im Schlachthof zu Gast waren. Damals noch als Vorgruppe für die Donots in der benachbarten Halle, heute selbst als Headliner im ausverkauften Kesselhaus. Das wird mit einem instrumentalen Intro voller Kuhglocken kurz angewärmt, bevor mit dem neuen Colorless eröffnet wird. Insbesondere Sänger Jakob Amr und Gitarrist Lennart Eicke bewegen sich so energisch über die Bühne, dass man glauben könnte, sie hätten sich kurz vor Showbeginn aufputschende Substanzen verabreicht. Das junge Publikum tut es ihnen gleich und initiiert zu jedem Song einen Moshpit, dem es schwerfällt, fernzubleiben. Leoniden setzen zunächst auf Altbewährtes und hauen den Besuchern bis auf Colorless und Why ausnahmslos Songs vom Debütalbum um die Ohren. Bis auf das proggige Iron Tusk sparen sich die Kieler die größten Hits der Platte allerdings bis ganz zum Ende auf.

Leoniden (2 von 3)

Das lässt noch lange auf sich warten, mit dem ruhigen Slow leitet das Quintett die Again-Konzertphase ein. Den Breakdown von Down The Line kostet Amr auf den Händen der Fans aus, diese meistern wiederum den Handclap-Beat von People und lassen sich auch vom Drake-Cover Hotline Bling nicht verunsichern, um im Anschluss bei Kids den Chor zu geben. Die zu Beginn im Übermaß penetrierten Kuhglocken sind mittlerweile wieder verstummt, stattdessen haben Leoniden ihr Publikum fest im Griff. Sänger Amr begibt sich immer wieder ins Publikum und erzählt zwischen den Songs immer wieder kurze Anekdoten. Mit Storm eröffnen die Newcomer den Zugabenblock, zu Nevermind kann sich niemand mehr halten und nach einem kurzen Einspieler von Michael Jacksons Billie Jean und einem erneuten Kuhglocken-Soli lassen Leoniden zu Sisters Lametta von der Decke regnen.

Leoniden (3 von 3)

Nach insgesamt 80-minütiger Ekstase ist der musikalische Teil beendet und nach einem kurzen Auffrischen findet sich die gesamte Band am Merchandise-Stand wieder, gibt fleißig Autogramme und lässt sich gemeinsam mit ihren Fans ablichten. Während die Show erst so richtig mit den neuen Songs ins Rollen gekommen ist, liefern Leoniden anschließend ein weiteres Argument für den Hype: Ihre Publikumsnähe.

© Fotos von Valentin Krach

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Jonathan Schütz

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