Livereview: Kraftklub plus Support, Mannheim 15.01.2016

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’’Ach, ist das schön hier.’’ Dieses Zitat stammt von Felix Brummer, Frontmann von Kraftklub. Damit fasst er das seit Wochen restlos ausverkaufte Konzert im Maimarkt Club in Mannheim vom 15.01.2016 ganz gut zusammen. Auf ihrer ’’Randale’’-Tour haben die Chemnitzer auch für zwei Konzerte in Mannheim Halt gemacht und damit den Auftakt der Tournee gefeiert. Wie hoch die Eskalationsstufe auf dem Maimarktgelände war, erfahrt ihr in unserer Livereview.

Das 2.500 Mann starke Publikum bestand größtenteils aus Teenagern, die meisten davon weiblich. Einige der Jungspunde trugen – wie ihre Vorbilder auf der Bühne – Hosenträger.
Was einem Besucher des Konzerts sofort auffiel, war eine ellenlange Schlange an der Garderobe in der Halle. Einige Leute haben dadurch die Vorgruppe verpasst. Keine gute Organisation der Veranstalter, zumal der Support Act bereits um 19:30 Uhr anfing, obwohl der Konzertbeginn mit 20 Uhr betitelt wurde.

Drangsal - Foto von Joshua Lehmann

Die Herxheimer Drangsal eröffneten die Rock-Party. Mit ihrem selbst bezeichneten ,,Brachialpop’’ versuchten sie eine halbe Stunde lang das Publikum einzuheizen. Zu englischen sowie deutschen Songs zeigten die vier Jungs eine schwache Bühnenperformance. Lediglich Sänger Max Gruber zeigte ein paar Tanzeinlagen. Dies bedachte das Publikum mit vereinzeltem Applaus.
Viele Konzertbesucher hatten also nicht viel verpasst, während sie noch an der Garderobe ihre Jacken abgaben.

Nach einer halbstündigen Umbaupause starteten Kraftklub ihren Auftritt nach einem kurzen E-Gitarren Intro gegen 20:30 Uhr.
Bei einem fulminanten Beginn mit ihren Hits ’’Wie Ich’’, ’’Eure Mädchen’’ und ’’Ich will nicht nach Berlin’’ hauten die Karl-Marx-Städter einen Kracher nach dem nächsten heraus.
Das Publikum eskalierte ab der ersten Sekunde völlig. Ein einziger großer Pit mit Pogo tanzenden Leuten machte über das gesamte Konzert hinweg ordentlich Stimmung und zeigte sich sehr textsicher.

Kraftklub - Foto von Joshua Lehmann

Die Band hatte zudem sichtlich Freude an diesem Abend. Bei ’’Unsere Fans’’ verließ der Frontmann erstmals die Bühne und stützte sich auf die Fans in der ersten Reihe.
Erst mit dem achten Song ’’Meine Stadt ist zu laut’’ konnte das Publikum etwas entspannen, bevor ein Glücksrad auf die Bühne geholt wurde. Sänger Felix Brummer holte ,,Alex mit den silbernen Haaren’’ aus dem Publikum auf die Bühne und dieser durfte am Rad drehen. Die drei Songs ’’Schlagerstars’’, ’’Lieblingsband’’, ’’Juppe’’ sowie eine Minute Schweigen standen zur Auswahl. Zur Freude des Publikums blieb der Pfeil bei einem der Songs stehen und so durften Kraftklub ’’Schlagerstars’’ spielen.

Im folgenden Programm wurden noch einmal Drangsal auf die Bühne geholt, um mit Kraftklub eine Coverversion von ’’Hey Ho, Let’s Go’’ zu performen. Mit ihrem ironischen Hip-Hop Song ’’500K’’ sowie einem Medley aus mehreren Songs aus ihrem ersten Studioalbum ’’Mit K’’, bei dem zum ersten Mal am Abend ein großes K auf der Bühne erleuchtete, schlossen die Echo-Gewinner den ersten Teil ihres Konzerts ab.

Kraftklub - Foto von Joshua Lehmann

Wenige Zeit später erschienen vier der fünf Jungs auf einer B-Stage am anderen Ende der Halle. Schlagzeuger Max Marschk blieb an seinem gewohnten Platz. Dort wurde nach ’’Deine Gang’’ – mit der gleichen Ansprache wie auf dem Live-Album ’’Randale’’ – ein bandinterner Wettkampf im Stage Diving gestartet. So bahnten sich vier geschwitzte Musiker ihren Weg zurück zur Bühne. Sieger wurde Till Brummer, von Beruf Bassist der Band.

Bei den abschließenden Songs wurde noch Einiges aufgefahren. ’’Karl-Marx-Stadt’’ wurde zum Teil zu einer Pyroshow, wohingegen ’’Scheissindiedisko’’ zu einem Massen-Ausziehen mutierte. Felix Brummer gab sich dem Willen des Publikums nach unzähligen Auszieh-Aufforderungen hin. Er drehte jedoch den Spieß um, sodass auch einige Zuschauer ihr Oberteil im Himmel kreisen ließen anstatt es am Körper zu tragen.

Kraftklub verließen nun die Bühne. Der Abend sollte jedoch noch nicht vorbei sein. Nach zahlreichen Kraftklub-Rufen kamen die Jungs noch einmal auf die Bühne, um zwei Zugaben zu spielen.
’’Randale’’ wurde stark gewünscht und ordentlich gefeiert. Dreck und Spielgeld füllten den Himmel der Halle.
Als der Schweiß schon von der Decke tropfte, wurde noch Kraftklubs größter Hit ’’Songs für Liam’’ in einer ’’Hey Jude’’-ähnlichen Variante mit riesigem rosa Konfettiregen zelebriert. In dichtem Nebel verschwanden die Jungs nach zwei Stunden von der Bühne.

Kraftklub - Foto von Joshua Lehmann

Kraftklub haben bei ihrem Konzert im Maimarkt Club in Mannheim eindrucksvoll bewiesen, dass sie zu den besten Live-Acts gehören, die Deutschland zu bieten hat. Die wohl angesagtesten Hosenträger der Bundesrepublik haben auf Altbekanntes gesetzt, auch was die Moderationen vor den Songs betrifft.
Doch wer kann ihnen das bei einem solchen Konzerthammer über zwei Stunden verdenken?!
Wie Frontmann Felix Brummer gegen Ende des Konzerts verkündete, werden Kraftklub erst einmal eine längere Pause einlegen und diesen Sommer auch keine Festivals spielen.
Die Manager deutscher Konzerthäuser sollten jetzt schon einmal anfangen, für die kommenden Jahre mit Kraftklub zu planen, denn die fünf Jungs werden demnächst definitiv größere Hallen benötigen.

Achtung! Spoiler-Alarm! Setlist der Tour:

1. Wie Ich
2. Eure Mädchen
3. Ich will nicht nach Berlin
4. Wegen Dir
5. Mein Leben
6. Zwei Dosen Sprite
7. Unsere Fans
8. Meine Stadt ist zu laut
9. Für Immer
10. Glücksrad (Schlagerstars/Lieblingsband/Juppe)
11. Irgendeine Nummer
12. Vorband-Song
13. 500K
14. Krieg der Welten… Mit K – Medley

15. Deine Gang (B-Stage)
16. Blau
17. Karl-Marx-Stadt
18. Schüsse in die Luft
19. ScheissindieDisko

Zugaben:
20. Randale
21. Songs für Liam

© Fotos von Joshua Lehmann

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Jonathan Schütz

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