Livereview: Heaven Shall Burn + Support, Zoom Frankfurt, 20.09.2016

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Heaven Shall Burn ziehen aktuell wieder durch das Lande, um im Rahmen ihrer ’’Wanderer Club Tour’’ zum Release ihres neuen Studioalbums zehn ausgewählte Clubs in Schutt und Asche zu legen. Wir waren in Frankfurt live vor Ort und berichten nun ausführlich!

Als sich bereits die Dunkelheit über das Rhein-Main-Gebiet legte und die ersten Läden dicht machten, sammelten sich in einer unscheinbaren Seitengasse der Metropole Frankfurt am Main ein paar Hundert teils langhaariger, teils Bandshirts tragende Menschen vor dem Zoom Club. Der Zoom ist eher als Konzertstätte kleinerer, aufstrebender Künstler bekannt, da bildete der vergangene Dienstagabend schon eine Ausnahme, als keine geringeren als Heaven Shall Burn dort gastierten!

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Der Club öffnete um 20 Uhr seine Pforten für alle Metaller und die, die es noch werden wollen. Bereits während dem Einlass begann das rund halbstündige Set der Vorgruppe Deathrite. Die Death Metal Gruppierung mit Dresdener/Leipziger Herkunft wusste von Anfang an, das Publikum einzuheizen. In den ersten Minuten ihres Auftritts konnte die Band das Publikum zum ersten Headbangen animieren, ehe gegen Ende des Gigs sogar ein erster Moshpit eröffnet wurde. Ein wiederkehrendes Stilmittel des Quartetts war der Gebrauch von Hall im Gesang, was kurzzeitig etwas Abwechslung brachte in der Eintönigkeit der Brutalität der Ostdeutschen. Insgesamt haben die Jungs ihr Handwerk auf jeden Fall verstanden und konnten das Publikum definitiv überzeugen. So weit so gut, alle warteten auf Heaven Shall Burn und das Warten sollte sich vollends auszahlen!

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Nach einer knapp dreißig minütigen Umbaupause – in der für wenige Sekunden Katy Perry angespielt wurde, was für starkes Gelächter sorgte – war es gegen 21:30 Uhr dreißig soweit: Fünf unscheinbare Männer betraten während Streicher- und Pianoklängen die Bühne des Clubs, ehe nach ’’Awoken’’, dem Intro des Albums ’’Iconoclast’’, zu ’’Endzeit’’ die erste Wall of Death’’ des Abends aufeinander prallte. Auch mal ein Konzertanfang! Bereits beim ersten Song des Abends zeigte sich das Publikum des ausverkauften Zoom extrem textsicher und grölte die vorhandenen Mitsingpassagen lautstark mit. Mit ’’Bring the War Home’’ wurde an dritter Stelle ein erster neuer Song aus dem letzte Woche erschienenen ’’Wanderer’’ präsentiert. Insgesamt wurden mit ’’Downshifter’’ und ’’They Shall Not Pass’’ nur zwei weitere neue Songs gespielt, was schlicht daran liegt, dass Heaven Shall Burn inzwischen über acht Studioalben verfügen und kaum einen alten Hit auslassen können. Das störte jedoch keine Person in dem an diesem Abend wahrhaften Schweißhaus.

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Frontmann Marcus Bischoff wusste dabei hervorragend, wann er etwas Tempo aus der Show rausnehmen sollte. Immer wieder tätigte er Ansagen an das Publikum, die meist lustig waren, wenn er zum Beispiel den Geburtstag seines Cousins und Bandkollegen Eric Bischoff anspricht oder immer wieder das Publikum zu gegenseitigem Respekt und Sicherheit auffordert. Da wirkte es schon fast paradox, wie aus diesen lieben Kerlen innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde wütende, in Death Metal getränkte Dampfwalzen werden konnten. Die ganze Band zeigte sich dabei schwerbegeistert vom Frankfurter Publikum und hob dieses im Vergleich zu den anderen Tourstädten besonders heraus. Was so eine Club-Show ausmacht, haben Heaven Shall Burn an diesem Abend absolut auf den Punkt gebracht. Jeder Crowdsurfer und Stage Diver wurde mit einem High-Five belohnt, Marcus Bischoff streckte das Mikrofon unzählige Male in die Hälse von Konzertbesuchern, die schwer begeistert jede Textzeile mitschreien konnten und der kleine, aber doch sehr brutale Moshpit wurde zum Epizentrum in der Frankfurter Innenstadt. Dem Tempo der Musik passte sich ebenfalls die Lichtshow an, die ihre doch minimalistischen Mittel maximal ausreizte. Nach ’’Trespassing the Shores of Your World’’ verließen die Ostdeutschen erstmals die Bühne. Sie ließen es sich jedoch nicht nehmen, um für drei Zugaben noch einmal auf die Bühne zurückzukehren. Mit ’’Valhalla’’, einem Blind Guardian Cover beendeten Heaven Shall Burn ihr 90-Minuten-Set.

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Heaven Shall Burn sind die Könige der deutschen Metal-Szene. Es gibt kaum eine Band, die es schafft, eine 90 Minuten lange Show mit dieser Energie und dieser Brutalität durchzuziehen, ohne gegen Ende des Gigs an Qualität einzubüßen. Dabei wirkte alles total familiär. Es wurden Leute im Publikum gegrüßt und Band und Fans befanden sich absolut auf einer Ebene, mit dem nötigen, gegenseitigen Respekt. Man mag von der Musik der deutschen Metal-Pioniere halten, was man will, die Jungs verstehen ihr Handwerk perfekt und haben genug Bühnenerfahrung, um jede Show, egal ob in einem 300 Mann starken Club, in einer großen Halle oder auf der gigantischen Festivalbühne zu meistern. Man darf also gespannt sein, wenn Heaven Shall Burn im nächsten Frühjahr auf Hallentournee gehen werden!

© Fotos von Joshots Music Photography

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Jonathan Schütz

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