Livereview: Fjørt + Support, Das Bett Frankfurt, 24.01.2019

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Fjørt-Konzerte gehören in die kalte Jahreszeit wie heißer Kakao, Weihnachtsmarkt und Schlittenfahren. Genau ein Jahr nach der ,,Couleur Tour“ befindet sich das Post-Hardcore-Trio auf der ,,Tournee Südwärts“.

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Wie auch schon im Januar des vergangenen Jahres haben sich die Aachener mehrere Bands als Support ins Boot geholt, bei den Shows in Karlsruhe, Potsdam, Bremen, Kiel und eben Frankfurt dürfen Yellowknife aus Köln eine halbe Stunde lang ihren lärmenden Indierock entfesseln. Diesen hat das Trio auf bislang zwei Alben gepresst: Auf das Debütalbum Wooden Future von 2015 folgte im vergangenen September Retain. Trotz einer beengten Bühne entwickeln Yellowknife eine starke Bühnenpräsenz, während die englischsprachige Poltermusik lautstark aus den Boxen dröhnt. Nach einem kurzweiligen Auftritt bleibt zu resümieren, dass sowohl Fans von Interpol als auch Moose Blood Yellowknife auf dem Radar haben sollten.

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Heute sind die Umstände deutlich besser als noch vor einem Jahr, als Orkantief ,,Friederike“ durch Deutschland zog und die Anreise zu manch einer Show erschwerte. Allzu lang halten sich die Konzertbesucher bei sibirischer Kälte und eisigem Wind jedoch nicht im Freien auf. Ihre Show eröffnen Fjørt nach dem instrumentalen Intro Nuri mit In Balance, gefolgt von einem bunten Mix aus Songs von Couleur und dem Vorgänger Kontakt, welcher erst spät von D’accord sowie Valhalla vom Debütalbum D’accord unterbrochen wird. Anstatt durch die Songs zu hasten, nehmen sich Fjørt immer wieder Ruhepausen, um sich für die Unterstützung zu bedanken, das Gehörte wirken zu lassen und um das Wort gegen die ,,braune Pest“ zu erheben. Für Bassist David Frings ist die Anti-Nazi-Rede vor Paroli mittlerweile schon fast zur Routine geworden und das ist das Schlimme daran: Gebessert hat sich die Situation nicht, vielmehr verschlimmert.

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Dagegen hilft nur, den Mund aufzumachen und faschistischen Parolen keinen Platz zu bieten und ,,gute Leute“ wie eben Fjørt zu unterstützen und deren Gedanken in die Welt hinauszutragen, damit ein beklemmender Song wie Raison seine Wirkung verlieren darf. Noch stellt er allerdings ein Kernstück jeder Fjørt-Show dar, wie auch der Song Couleur, dessen Beginn die Aachener nach kurzen technischen Problemen zunächst langsam vertonen, nur um ihn dann in der Originalversion zu erwecken. Mit Lebewohl beendet das Trio den regulären Konzertteil, nur um endlich Südwärts als erste Zugabe draufzupacken. Als Belohnung folgt der vielleicht härteste Moshpit des Abends, mit Lichterloh und Karat beenden Fjørt nach 95 Minuten ein mitreißendes Konzert. Wir sehen uns im Januar 2020 wieder.

© Fotos von Valentin Krach

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Jonathan Schütz

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