Livereview: Faber, Kulturpark Wiesbaden, 06.08.2021

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Konzerte, wie wir sie vor der Pandemie kannten, sind hierzulande auch anderthalb Jahre nach dem Ausbruch dieser noch immer nicht möglich. Die „Picknick Konzerte“ kehren daher nach dem Sommer 2020 zurück, dieses Mal auch in der hessischen Landeshauptstadt. Eröffnet hat die drei Wochen lange Livemusik-Reihe der Schweizer Singer/Songwriter Faber.

Faber

Als Erstbesucher sommerlicher Konzerte unter Corona-Bedingungen fällt einem unweigerlich die drastisch veränderte Einlasssituation auf. Wo im Vor-Pandemie-Betrieb lediglich das Kontrollieren der Tickets sowie das Abtasten der Besucher*innen auf der Agenda gestanden hat, erfolgt nun – zumindest in Hessen – das Einchecken via Luca-App, das Kontrollieren der 3G-Regel und der Tickets, bevor nach der Inspektion der Taschen- und Rucksackinhalte die im Schachbrettmuster eingezeichneten Plätze eingenommen werden dürfen. Wo bis zum Sommer 2019 noch jeweils 10.000 Menschen den, sich hinter der Konzerthalle des Schlachthofs befindenden, Kulturpark bei Veranstaltungen gefüllt haben, ist die Besucherzahl bei den Picknick Konzerten in Wiesbaden auf 950 begrenzt. Dass nahezu alle Veranstaltungen ausverkauft sind – darunter auch das Konzert von Faber – überrascht daher kaum.

Faber

Auf den Tag genau 17 Monate ist es her, dass Faber das bislang letzte Mal auf dem Gelände des Schlachthofs zu Gast gewesen ist. Das Konzert im März 2020 zählte damals zu den letzten Konzerten, bevor das Kulturzentrum aufgrund der Pandemie vorerst schließen musste. Da der Schweizer seitdem lediglich ein gemeinsames Album mit Dino Brandão und Sophie Hunger – in Schweizerdeutsch – veröffentlicht hat, spielt er sich heute durch eine ähnliche Setlist wie vor knapp anderthalb Jahren. Wo der Opener Highlight in der dunklen Halle des Schlachthofs noch eine knisternde Atmosphäre erzeugt hatte, sind es am heutigen Abend aufgrund der Abstandsregeln eher die mitreißenderen und tanzbaren Songs, die für größere Ekstase sorgen. Während Jung und dumm an zweiter Stelle das Publikum nur kurzzeitig zu mehr Interaktion bewegen kann, stiftet Generation YouPorn in der Mitte des Sets nahezu alle Besucher*innen zum Aufstehen von den Picknickdecken, lautstarken Mitsingen und energischem Hüfte-Kreisen an.

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Dass sich die Energie von der Bühne dabei auch auf die hintersten Plätze überträgt, ist einem höchst austarierten Sound zu verdanken, der insbesondere die mit einer Posaune besetzten Songs üppig klingen lässt. Während Faber bei seinen Ansagen – bei denen er öfters in seinen Dialekt abdriftet – anzumerken ist, dass in den vergangenen anderthalb Jahren nicht gerade viele Konzerte möglich waren, wirken er und seine Liveband absolut eingespielt. Trotz der teilweise immensen Distanz zum Publikum gibt sich Faber zudem äußerst nahbar und interagiert mehrfach mit bestimmten Leuten aus der Zuhörerschaft. So geht er auf die Einladung zu einer Hochzeit ein und lässt das Publikum zum Ende der Show darüber abstimmen, welchen Song er denn noch spielen solle. Zum Schluss entsteht schließlich trotz all der Abstandsregeln und auch aufgrund der untergegangenen Sonne richtige Konzertstimmung, wenn Faber die Show mit So soll es sein und Tausendfrankenlang beendet. Wie gut diese zwei Stunden den Leuten auf und vor der Bühne getan haben, verdeutlichen die Musiker selbst, indem sie nach ihrer Verabschiedung noch einmal zu den Instrumenten greifen und ein letztes Mal den Refrain von Tausendfrankenlang erklingen lassen.

Faber

© Fotos von Valentin Krach

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Jonathan Schütz

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