Livereview: Das Trebur Open Air 2017

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Dieses Jahr fand das 25. Trebur Open Air vom 28.-30.07.2017 im kleinen Ort Trebur statt und mit viel Freude wurde das Vierteljahrhundertliche Bestehen des Events gefeiert! Wir waren dort unterwegs auf besonderen Konzerten, in schwitzigen Moshpits, auf den Dixiklos des Zeltplatzes und in kaltem Freibadwasser.
Das TOA scheint jedes Jahr unter einem guten Stern zu stehen, denn das Wochenende über brannte die Sonne auf die Felder und auch so manchen hautkrebsgefährdeten Körper.

Bereits Freitag Mittag ist die Stimmung bei den schon angereisten Campern ausgelassen und alle freuen sich auf das Festivalwochenende. Die Atmosphäre ist wegen der Größe des Festivals familiär. Viele Besucher kommen jedes Jahr und auch die Festivalcrew ist den meisten bekannt. Nachdem alle Zelte und Pavillions stehen, kann es mit den Konzerten los gehen!

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Einer der ersten Acts ist Alice Merton, eine Deutsch-Britin, die Ende 2016 mit ihrem Song “No Roots” großen Erfolg feierte. Wir sind beeindruckt von der Dreiundzwanzigjährigen, die letztes Jahr ihr eigenes Label gründete und Lieder mit persönlichem Inhalt vor einer großen Masse Menschen performt. Auf dem TOA begeisterte sie das Publikum durch ihre unverkennbare Stimme und Bühnenpräsenz. Sie strahlt eine unfassbare Energie aus und auch nachmittags kann sie die Leute zum tanzen animieren.

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Lauter wird es mit VAN HOLZEN, dem jungen deutschsprachigen Newcomertrio. Dieses Jahr erschien ihr Debütalbum “Anomalie” und öffnete den Ulmern viele Türen. Ihr Schaffen bewegt sich zwischen den Genres Rock und Post-Hardcore und der Einfluss der Band Heisskalt spiegelt sich deutlich in den Texten der Band wieder. Verzweifelt und wütend, voller jugendlichem Hang zur Rebellion. Live unterscheiden sich die Songs nicht extrem voneinander und die ganze Performance über ist der Bass zu dominant.
Das Potential der drei Jungs ist aber definitiv nicht zu leugnen.

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Auch zu WE ARE SCIENTISTS tanzen und springen die Besucher vor der Nebenbühne. Die New Yorker machen Indie-Rock, der sich sehen lässt. Zwar war ihr Auftritt nicht besonders gut abgemischt, doch durch ihren Charm und eingängige Refrains kann die Band alle überzeugen. Sänger Keith hängt seine blonde Mähne vor den Augen, während er gemeinsam mit der Masse leidenschaftlich die Worte zu “My Body Is Your Body” singt/ins Mikrofon schreit. Gerne sehen wir euch wieder!

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Als die Killerpilze auf die Bühne kommen, hört man aus dem Publikum sagen:”Boah, sind die alt geworden!” Das empfinden viele 2000er-Kinder so, doch es ist nur die halbe Wahrheit. Wie die Band in ihrem bald erscheinenden Film selbst sagt, sie sind immer noch jung, aber reifer. Und das steht ihnen erstaunlich gut. Auffällig ist auf den ersten Blick das Styling der Band. Mit einem bunten Hemd mit geometrischem Muster schreitet Sänger Jo auf die Bühne. Auch der erste musikalische Eindruck ist sehr positiv. Bei ihren Hits singt das ganze Publikum mit, die alten Fans mit Postern aus der Bravo an den Kinderzimmerwänden, an der Seite der neugierigen Besucher. Ihr Auftreten ist souverän und von dem Ausfall des Basses lassen sich die Musiker nicht aus dem Konzept bringen. Ganz selbstironisch sagt der Schlagzeuger: “Kein Problem! Wir haben hinten noch ganz viele Bässe. Das ist der Vorteil eines Teeniestars, man ist einfach unglaublich reich.” Doch auch das Bass-Problem wird schnell gelöst. Das Highlight ihres Auftritts ist definitiv das Gitarrenkoffersurfen von Sänger Jo über das gesamte Publikum.

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Den ganzen Samstag über freuen wir uns auf Itchy (ehemals Itchy Poopzkid), die mit neuem Namen und neuen Songs um 21:20 Uhr auf der Hauptbühne stehen. Es ist unfassbar, wie schnell die Punkrock-Band alle Zuhörer für sich gewinnen und zum abgehen bringt. Sofort bildet sich ein Moshpit, der wohl größte des diesjährigen TOAs. Die drei Musiker legen ein besonders abwechslungsreiches Konzert hin, da sie viel Neues und Altes spielen und auch die E-Gitarren für zwei Songs gegen akustische austauschen. Auch ihre Bühnenpräsenz und Publikumsinteraktion ist bemerkenswert. Da es zwischen den Feldern und in der Menschenmenge ganz schön schwitzig werden kann, initiieren sie eine außergewöhnliche Abkühlmethode. Alle sollen ihre T-Shirts ausziehen, um mit ihnen zu den Klängen von “It’s Tricky” zu wedeln. Die Masse ist sofort begeistert und die Luft kühlt zwischen den nassen Körpern tatsächlich ab. Ein grandioses Konzert, das die Besucher ausgepowert und in bester Laune zurücklässt.

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Ihre Nachfolger auf der Hauptbühne, Triggerfinger, sind musikalisch sehr versiert. Mit minutenlangen Soli auf elektrischen Gitarren beweisen sie ihr Können. Doch leider bauen sie diese zu oft ein und die Songs gehen deshalb nicht selten über zehn Minuten. Es finden sich viele Begeisterte, doch fällt ihnen das Tanzen streckenweise schwer zu den komplizierten Beats. Es schien ersichtlich nicht leicht, nach Itchy auch so präsent und energetisch wie sie zu sein. Viele Zuhörer konnten sie einfach nicht “abholen”.

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Der dritte und letzte Festivaltag beginnt mit Regen und einem Anflug von Sentimentalität.
Doch das Trebur Open Air lässt es musikalisch (und auch sonst) nochmal richtig krachen.
Annisokay sind für alle Fans der härteren Töne auf jeden Fall ein Pflichttermin. Die Band hat sich im deutschen Core-Genre über die letzten Jahre definitiv einen Namen gemacht und legt auch hier auf dem Trebur eine solide Performance hin. Mit ihrem Post-Hardcore/Metalcore Stil sind sie eine der härtesten Bands auf dem Festival. Obwohl der Arzt von Screamer Dave ihm anscheinend verboten hatte, sich auf der Bühne zu verausgaben, gibt er doch sein Bestes. Dennoch fällt auf, dass er angeschlagen ist. Trotz der nachmittäglichen entspannten Ausgelassenheit, gibt es kleinere Moshpits. Alles in allem eine willkommene Abwechslung und gute Performance.

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Mit dem Schweizer Singer-Songwriter Faber und seiner Band geht es auf der Nebenbühne weiter. Der junge Sänger mit der braunen Wuschelmähne mischt zur Zeit die deutschsprachige Indie-Welt auf. Seine authentischen Texte, die von Freiheit, Zwischenmenschlichem und von sozialkritischen Themen handeln, treffen auf eine tiefe und raue Stimme. Es ist nicht das typische Herzschmerzgeheule, das man beim Titel “Singer-Songwriter” leider gerne im Kopf hat, sondern etwas Neues, überraschend Diverses. Es ist ironisch, gespickt von aneckenden Aussagen. Auch musikalisch tritt Faber nicht nur minimalistisch mit zerkratzter Gitarre auf (obwohl er diese auch in den Händen hält), sondern hat er eine starke Band dabei inklusive Bläser. Mit viel Rabatz vereinen sie Chansons mit Balkanvolksmusik. Es ist großartig. Faber bleibt uns als ein überragender und interresanter Act in Erinnerung.

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Auf der Hauptbühne steht nun die Kyle Gass Band. Die Hälfte der Kultband Tenacious D, die nicht Jack Black ist, hat diese Band gegründet, um musikbesessene Freunde zu vereinen und eine Menge Spaß zu haben. Kyle Gass ist sich auf der Bühne für nichts zu schade und zieht auch gerne ganz ungeniert sein T-Shirt aus, um dem Publikum mit solzem Bierbauch entgegenzustehen. Im Vordergrund steht das Entertainment und nicht die musische Qualität. Die Texte sind albern und ironisch, die Verwandtschaft dieser Band zu Tenacious D ist deshalb offensichtlich. Als Schlusslied spielen sie “Fuck Her Gently” und alle Besucher singen mit. Sympathischerweise vertauscht Kyle eine Textstelle und lacht danach über sich selbst. Verrückt und unterhaltsam ist diese amerikanische Truppe.

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Das Finale des Festivals liefern The Baseballs, eine siebenköpfige Band, die Lieder im Rock’n'Roll-Stil covert und schreibt. Ihre Bühnenpräsenz und Fähigkeit die Menge zum swingen zu bringen ist unbeschreiblich. Bei diesem Konzert wird mit Abstand am meisten getanzt und das auch gerne klassisch im Paartanz, mit Twistmoves oder unkontrollierten Hüftschwüngen. Das Publikum sah nie schöner aus und man fühlt sich in die 50er zurück versetzt. Dazu tragen auch die Elvistonnen der gesamten Band bei. Der Einsatz der Jungs ist wirklich bemerkenswert. Sie haben Choriografien für die Bühnenpositionen und springen von einer Seite zur anderen. Mit einer Ladung Rock’n'Roll holen sie jedes Quäntchen an Energie aus den erschöpften Festivalbesuchern und bringen sie zum ausgelassensten Tanzen.
Voller Wehmut verlassen wir an der Seite der Freunde des TOAs das Gelände, nachdem die letzten Töne verklingen.

Vielen Dank, liebes Trebur Open Air! Auch dieses Jahr hat die Festivalcrew wieder tolle Bands gebucht und liebevoll ins letzte Detail das Gelände gestaltet. Wir sehen uns nächstes Jahr!

Bilder vom wundervollen Valentin Krach

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