Livereview: Crossfaith + Support, Kesselhaus Wiesbaden, 15.06.2018

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Ist Trancecore noch immer am Leben? Und wer sind wohl die gebührenden Vertreter? Mit einer Hand voll EPs klappern Crossfaith seit ihrem jüngsten Album “Xeno” (2015) kleine deutsche Clubshows ab, sowohl als Support als auch als Headliner. Wie das live klingt, erfahrt ihr bei uns.

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Die Coreszene hat sich in den den letzten Jahren ja bekanntlich immer weiter geöffnet; die Grenzen zwischen verschiedenen Genres verwischen nun fast gänzlich. Trotzdem bleibt bei Anchors and Hearts der bittere Geschmack, der breakdownlastige Metalcore des Supports könnte niemanden begeistern. Schnell wird von vergeblichen Aufforderungen zu Circle Pits umgeschwenkt auf Mitsingchöre, die mit vollen Kehlen akzeptiert werden. Einzig als der Bassist sich in das trinklustige Publikum begibt, begeben sich erste Menschen in ein süßes Circle Pit. Trotz der guten Message, die die Jungs aus Bremervörde predigen, findet sich im Publikum definitiv mehr Anklang mit Partyansagen als durch Sea Shepherd Widmungen. Der schon oft gehörte Metalcore Sound, welcher von teils holprigem Schlagzeugspiel untermauert wird, trägt unglücklicherweise auch nicht viel dazu bei, das Publikum auf die Seite der Band zu ziehen. Schade, denn ein anderes Lineup würde dem Quintett deutlich zuspielen und ihnen den Warmup Job garantiert erleichtern.

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In Sachen Begeisterung machen die Zuschauer bei Crossfaith geradezu eine 180-Grad-Wende: Schon beim Soundcheck inklusive Pendulum, Modestep zeigen sich zuvor ermüdete Gesichter nun deutlich bereiter, Gas zu geben. Das als Sextett auftretende Powerpaket aus Japan setzt alles auf ein durchweg hohes Energieniveau. Da rückt das dystopische Image und Storytelling zwar in den Hintergrund, tut der von Hits gespickten Performance jedoch keinen Abbruch. Der überaus freundliche und bescheidene Frontmann Kenta Koie hat sein Publikum hierbei vollkommen in der Hand. “System X” und “Xeno” eröffnen das Feuer und drücken ordentlich mithilfe des guten Sounds des Kesselhauses. Innerhalb ihrer kurzen Setlist bieten Crossfaith Einblicke in jede Veröffentlichung, wobei “Freedom” auch ohne Livefeature von Enter Shikari Frontmann Rou Reynolds gewaltig daherkommt und zum fröhlichen Springen einlädt.

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Alle Mitglieder der Gruppe scheinen sichtlich glücklich über ihre Auftrittsmöglichkeit zu sein, das Lächeln steht ihnen förmlich ins Gesicht geschrieben. Diese positive Energie spiegelt sich im konstant nach Bier rufenden Publikum positiv wider, und als bei “Jägerbomb” DJ Terufumi Tamano auch noch den Jägermeister in offene Münder kippt, gleicht die Szenerie einer Malle Trancecore Party. Die Schiene zwischen EDM und Gitarrenmusik wissen die Musiker aber zu fahren und im Rahmen zu halten, sodass man nicht direkt in Clubdome Gefilde abdriftet. Überraschenderweise verzichten die Japaner auf das allseits bekannte Cover von “Omen” sowie “Wildfire” und gestalten die Setlist als Wundertüte. “Countdown To Hell” teilt die Menge von Wand zu Wand, Geknüppel im Stil von Slipknot (z.B. “(sic)”) füllt den Raum und beschert so manch blutige Nase.

Das den Zugabenblock einleitende, besonders epische Drumsolo Tatsuya Amanos ist nicht nur musikalisch beeindruckend, aber durch Sticktricks auch ein Blickfang. Mit “Monolith” und “Leviathan” wird anschließend ein 60-minütiges Set gebührend abgeschlossen. Und wenngleich das Ganze auch ein wenig länger hätte sein können, den Schweißanteil an meinem Hemd hätte das wohl auch nicht erhöht – Crossfaith machen definitiv Spaß und halten immer ein, was sie versprechen. Mit einem neuen Album im August dürfte sich der Siegeszug als starke Liveband wohl noch weiter fortführen.

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Alex Loeb

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