Livereview: Brutus + Support, Nachtleben Frankfurt am Main, 22.05.2019

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Brutus haben das Nest verlassen und sich auf den vergangenen Support-Touren für Thrice, Russian Circles und Chelsea Wolfe ein angemessenes Publikum erspielt.

Ingrina

Dass die Belgier vergangenes Jahr zahlreiche neue Fans für sich dazu gewonnen haben, erkennt man schon, wenn man sich nur die Bandshirts der Konzertbesucher betrachtet, denn sowohl T-Shirts von Thrice als auch Russian Circles schmücken heute die Körper zahlreicher Fans. Brutus sind mittlerweile also selbst in der Position, spannenden Newcomern eine Möglichkeit geben zu können, für sich zu werben. Diese Möglichkeit bekommen heute – und im Münchener Strom - Ingrina. Das französische Sextett ist heute nur zu Fünft, da ihr zweiter Schlagzeuger aus medizinischen Gründen in der Heimat geblieben ist. Einer von drei Gitarristen versichert dem Publikum aber bei einer von insgesamt nur zwei Ansprachen, dass es sich ,,um nichts Ernstes” handele. Der Drummer-Schwund ist der Band jedoch kaum anzumerken, da Ingrina scheinbar mühelos einen epischen Post-Metal-Sound erschaffen, den sie vergangenes Jahr auf Etter Lys erstmals auf Albumlänge gepresst haben und dem lediglich der etwas räudige Gesang einen leichten Qualitätsabbruch verschafft.

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Bei Brutus ist es hingegen der Gesang von Schlagzeugerin Stefanie Mannaerts, welcher dem eh schon grandiosen Soundgeflecht aus Post-Rock, Post-Hardcore und Punk-Elementen die Krone aufsetzt. Deswegen ist der Blick fast aller Konzertbesucher dauerhaft auf die rechte Bühnenseite gerichtet, denn dort hat Mannaerts ihren Schlagzeugthron errichtet, um das Zusammenspiel mit Gitarrist Stijn Vanhoegaerden und Bassist Peter Mulders dank einfacherem Blickkontakt zu verbessern. Das Trio scheint sich allerdings blind zu verstehen, so mühelos meistert es die noch so komplexesten Parts in seinen Stücken. Brutus legen bei ihren Konzerten einen besonderen Wert auf das Erschaffen einer packenden Atmosphäre und wickeln den gut gefüllten Club schon im eröffnenden Fire mit einem ruhig inszenierten Intro um den Finger, um anschließend lautstark durch insgesamt zwölf Songs zu treiben.

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Der Fokus liegt auf der aktuellen Tour mit sieben Songs etwas mehr auf dem aktuellen Album Nest als auf dem ebenfalls fantastischen Debüt Burst (fünf Songs). Das Publikum quittiert den fabelhaften Auftritt ab dem fünften Song War und dessen Hardcore-Punk-Part mit leichten Moshpits, nur der etwas übermotiviert wirkende Stagediver wirkt etwas fehl am Platz. Zwischen all den wilden Stücken sticht das ruhig pulsierende Space hervor, in dem Mannaerts Stimmen-Akrobatik betreibt, bevor ihre Stimme in All Along wieder markerschütternd hinterm Schlagzeug erklingt. Wenn man etwas kritisieren möchte, dann nur, dass bereits nach 55 Minuten und dem epischen Sugar Dragon, in dem Brutus noch einmal all ihre Stärken unter Beweis stellen, Schluss ist und auf die Vorab-Single Django komplett verzichtet worden ist. Doch das ist Meckern auf allerhöchstem Niveau.

© Fotos von Valentin Krach

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Jonathan Schütz

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