Livereview: Bright Eyes + Support, Batschkapp Frankfurt, 20.08.2022

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Nach doppelter Verschiebung um insgesamt zwei Jahre können nun auch Bright Eyes ihr neues Album Down In The Weeds, Where The World Once Was endlich auch in Europa live spielen. Frontmann Conor Oberst scheint die Wartezeit jedoch nicht so gut bekommen zu sein.

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Der 42-Jährige betritt mit seiner Band die Bühne der Frankfurter Batschkapp um 19:30 Uhr aufgrund einer nachfolgenden Veranstaltung ungewohnt früh. Während seine Bandkolleg*innen einen nüchternen Eindruck machen, scheint Oberst sich vor der Show das eine oder andere alkoholische Getränk zu viel genehmigt zu haben und verzettelt sich immer wieder in seinen Ansagen und hält sich mitunter nur mühsam auf den Beinen. Aufgrund des frühen Beginns und abweichender Informationen im Internet zum Konzertbeginn tritt die Vorband Penelope Isles leider in einer noch spärlich gefüllten Batschkapp auf und auch wir bekommen leider nur noch die finalen Minuten mit, die aus einem mehrminütigen Jam bestehen. Die songdienlicheren Parts des lärmenden Indierocks der Briten erinnern jedoch stark an Dinosaur Jr.

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Als Bright Eyes die Bühne betreten, ist die Batschkapp deutlich besser gefüllt, ohne aber richtig voll zu sein. Mehr als gut besetzt ist dagegen die Bühne. Neben Oberst und den beiden anderen festen Mitgliedern Mike Mogis (Produzent und Muliinstrumentalist) und Nate Walcott (Klavier, Trompete, Synthesizer) besteht die Band auf Tour aus einer weiteren Multiinstrumentalistin, einer Bläserin, einer Violinistin, einem Bassisten sowie Queens-Of-The-Stone-Age-Drummer Jon Theodore am Schlagzeug. Mit dieser herausragenden Liveband im Hintergrund wirkt Oberst im weißen Praha-Tanktop und mit seinen langen schwarzen Haaren wie der Frontmann einer Emoband. Ein Eindruck, den sein zunächst sehr energetisches Auftreten sowie der Fakt, dass Bright Eyes – auch dank einer fantastischen Lichtshow – live wesentlich rockiger klingen als auf Platte, bestätigen. Ihre Show eröffnen die US-Amerikaner mit Dance And Sing von Down In The Weeds, bevor sich Oberst zum anschließenden Lover I Don’t Have To Love erstmals ans Klavier setzt, was er heute Abend immer wieder machen wird.

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Vor dem folgenden Old Soul Song (For The New World Order) redet Oberst – hier etwas klarer wirkend – über politischen Aktivismus und die Invasion der USA im Irak 2003, die den Song damals beeinflusst haben. Im Anschluss geht er vor Mariana Trench kurz auf die Pandemie ein und wie froh er sei, endlich wieder auftreten zu dürfen. Es ist schade, dass vor allem seine mitunter minutenlangen und teils stark genuschelten Aussagen ohne Punkt und Komma aufgrund seines kaum nüchternen Zustandes im Kopf bleiben und weniger die Musik seiner Band. Die hält aber natürlich trotzdem tolle Momente bereit: für das rockige Jejune Stars greift Oberst zur glitzernden, mattschwarzen E-Gitarre und während Shell Games läuft er wie besessen über die Bühne. Dazwischen findet sich mit Falling Out Of Love At This Volume ein ebenfalls wunderbar rockiger Song. Für Arienette entschuldigt sich der Sänger im Nachhinein für falsche Akkorde, das anschließende Tilt-A-Whirl widmet er auf liebevolle Art und Weise seiner Mutter, die er als wunderbarste Person, die er kenne, beschreibt.

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Das hinten raus sehr rockig werdende Neely O’Hara habe er hingegen für seine erste große Liebe geschrieben, mit der er noch immer befreundet sei. Die den regulären Konzertteil abschließende Pianoballade Ladder Song wird durch ein fantastisches Saxophonsolo veredelt, bevor sich Bright Eyes viel Zeit lassen, um für drei Zugaben auf die Bühne zurückzukehren. Nach dem wunderschönen Evergreen First Day Of My Life stimmen Oberst & Co. zum Geburtstag ihres Crew-Mitglieds Dylan das von Michael Jackson in The Simpsons gesungene Happy Birthday, Lisa an und benennen es kurzerhand in Happy Birthday, Dylan um. Nach I Believe In Symmetry beenden Bright Eyes mit One For You, One For Me ihre zweistündige Show. Obwohl sich Conor Oberst ehrlich dankbar zeigt und seine Band sogar für das Publikum klatscht, wird das Konzert aufgrund seiner anstrengenden Zwischenmoderationen in Erinnerung bleiben und weniger wegen der Musik. Enttäuscht haben Bright Eyes musikalisch jedoch ganz und gar nicht.

© Fotos von Valentin Krach

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Jonathan Schütz

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