Livereview: Biffy Clyro + De Staat, Festhalle Frankfurt, 18.09.2022

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Der Auftritt von Biffy Clyro mit einer die ersten drei Alben komplett aussparenden Setlist lässt sich vor allem als souverän beschreiben.

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Bevor die Alternative-Rocker die zumindest vor der Bühne solide gefüllte Festhalle betreten, kündigen sieben LED-Lampen De Staat als Vorgruppe der Schotten an. Dass die Niederländer in ihrer Heimat selbst solche Hallen füllen, merkt man ihrer Performance sowohl hinsichtlich des druckvollen Sounds als auch der ausgefallenen Lichtshow an. Das Quintett aus Nijmegen hat im Juli die drei Mini-EPs Red, Blue und Yellow (mit jeweils drei Songs) veröffentlicht, von denen sich mit Head On The Block, Look At Me (beide von Red) und Who’s Gonna Be The Goat? (von Yellow) drei Songs unter die neun Songs lange Setlist mischen. Daneben gibt es mit Peptalk und Murder Death zwei Songs von O, während das noch aktuelle Album Bubble Gum von 2019 dreifach vertreten ist. Zu Pikachu wird Frontmann Torre Florim in seinem exzentrischen Tanz und Gesang von Keyboarder Rocco Bell unterstützt, der mit seinem Vokuhila eine illustre Erscheinung darstellt und an die Landsmänner von New Kids erinnert. Kitty Kitty ist noch immer ein Konzerthighlight mit Stadionmoment und Witch Doctor dreht zum Abschluss mit krachenden Gitarren noch einmal richtig auf.

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Den Auftritt von Biffy Clyro kündigt schließlich Also sprach Zarathustra, op. 30 mit schiefen Trompeten an, ehe das Trio zusammen mit den beiden Tour-Musikern Mike Vennart (Gitarre) und Richard Ingram (Klavier) die Bühne betritt. Los geht es mit dem atmosphärischen DumDum und dem krachenden A Hunger In Your Haunt (mit erstem Singalong vom Publikum) vom 2021 veröffentlichten The Myth Of The Happily Ever After, bevor mit Tiny Indoor Fireworks und The Pink Limit zwei Songs vom ein Jahr zuvor erschienenen A Celebration Of Endings folgen. Erst danach gibt es mit dem lautstark mitgesungenen Black Chandelier einen ersten älteren Song. Dieses Muster stellt für die ersten beiden Drittel der Show die Marschroute dar: neun der ersten 14 Songs gehen auf die während der Pandemie veröffentlichten Alben zurück. Als Highlights entpuppen sich davon das nach langem Intro ausbrechende Unknown Male 01, End Of, zu dem Bassist James Johnston einen Boxenturm erklimmt und an dessen Ende der Gesang von Frontmann Simon Neil in Geschrei ausartet, sowie die Ballade Space, die wie so viele andere Songs heute Abend von zwei Violinistinnen veredelt wird.

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Insgesamt haben die neuen Songs gegenüber den alten jedoch klar das Nachsehen. An die Raserei eines That Golden Rule oder die Hymnenhaftigkeit eines Mountains reicht einfach nichts heran. Zwar funktioniert Instant History live deutlich besser, da Biffy Clyro den Song rockiger instrumentieren und den billigen Pop-Beat im Refrain gegen Geigen austauschen, im Kern bleibt der Song jedoch musikalisch als auch lyrisch recht stumpf. Re-arrange von Ellipsis funktioniert im Rahmen eines Konzertes ebenfalls besser, von der emotionalen Tragweite eines Machines ist der Song jedoch weit entfernt. Für den seiner verstorbenen Mutter gewidmeten Song wird Neil eindringlich blau angestrahlt, wodurch er mit seinen langen, dunklen Haaren einer göttlichen Figur gleicht. Demgegenüber stehen die regelmäßig aufziehenden Lichtgewitter, die insbesondere ausbrechende Instrumentalparts stimmungsvoll untermalen.

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Mit Biblical leiten Biffy Clyro das starke und von Hits gespickte letzte Konzertdrittel ein. Weiter geht es mit Living Is A Problem Because Everything Dies, in dessen Bridge Neil etwas Schabernack mit seiner Gitarre treibt, ehe sich zu Bubbles zum einzigen Mal heute Abend kleinere Pits formieren. The Captain beschließt anschließend den regulären Konzertteil und mit Different People folgt als erste Zugabe immerhin eine kleinere Überraschung in der Setlist. Cop Syrup ist auch live ein absolutes Brett und Many Of Horror der perfekte emotionale Abschluss einer guten Stadionrockshow. Dennoch wäre in vielerlei Hinsicht noch mehr drin gewesen: der zwar druckvolle und teils punkig-dreckige Livesound kommt leider nur im vorderen Bereich der Halle gut zur Geltung und dem Publikum ist trotz zahlreicher lauter Singalongs anzumerken, dass sie am Folgetag wieder auf die Arbeit müssen. Besonders schade ist jedoch, dass Biffy Clyro ihre ersten drei Alben komplett aussparen. Kein 57, All The Way Down oder Glitter And Trauma und auch keine Fanfavoriten der Erfolgsalben Puzzle, Only Revolutions und Opposites wie Who’s Got A Match?, God & Satan oder Opposite. Das wirkt vor allem routiniert.

© Fotos von Valentin Krach

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Jonathan Schütz

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