Livereview: Arlo Parks + Support, Zoom Frankfurt, 21.11.2021

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2021 war das Jahr von Arlo Parks. Umso erfreulicher, dass die britische Singer/Songwriterin ihr Anfang des Jahres erschienenes Debütalbum Collapsed In Sunbeams nun auch endlich einem europäischen Live-Publikum vorstellen kann und dabei unter Beweis stellt, warum ihr die Zukunft gehört.

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Die gleiche Prognose könne man auch Lùisa ausstellen, würde sie nicht bereits seit knapp zehn Jahren Musik veröffentlichen. Die Vermutung, dass ihr – zumindest nationaler – Durchbruch noch bevorsteht, wird jedoch durch einen höchst sympathischen und vom Publikum gefeierten Auftritt im Vorprogramm von Arlo Parks genährt. Dabei spielt sich die aus Nordhessen stammende und in Hamburg ansässige Sängerin und Gitarristin vornehmlich durch ihr im Mai erschienenes drittes Album New Woman. Zu nahezu jedem Song erzählt sie dabei eine kleine Anekdote. Der Titeltrack ihrer neuen Platte prangert etwa patriarchale Strukturen an, fungiert zugleich aber als Empowerment. Musikalisch und stimmlich wandelt Lùisa insbesondere auf den Spuren von Florence + The Machine, nur mit deutlich mehr Hang zu zurückgelehntem Indiepop. Dass ihr Auftritt zur gelungenen Eigenwerbung gerät, liegt auch an ihren Bandkollegen an Bass und Schlagzeug, die dem Sound von Lùisa einen ausgesprochen tighten Rhythmus verleihen.

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Als hätte die Corona-Pandemie nicht zu genug Verschiebungen und Schwierigkeiten geführt, werden Arlo Parks und ihre Crew heute von einem leider gängigen Erschwernis tourender Musiker*innen eingeholt: ihr Tourbus hat eine Panne. Glücklicherweise hat es die gesamte Crew rechtzeitig nach Frankfurt geschafft, sodass nur der Einlass und der Konzertbeginn jeweils etwas nach hinten verschoben werden müssen. Der Stimmung tut das aber keinen Abbruch. Während das Publikum schon während des halbstündigen Auftritts von Lùisa immer euphorischer wird, entlädt sich jeglicher Enthusiasmus, als Arlo Parks gegen 21:30 Uhr die Bühne des ausverkauften Zooms betritt. Die ersten Sekunden gehören aber ihrer fünfköpfigen Live-Band (Schlagzeug, Gitarre, Bass, Trompete und Synthesizer) und einem instrumentalen Intro, bevor die 21-Jährige ihre Show mit Hurt eröffnet. Insbesondere die Songs von Collapsed In Sunbeams performen Parks und ihre Bandkolleg*innen in einem üppigeren und deutlich rockigeren Gewand, als es das Songmaterial auf Platte hergibt. Dass es den Musiker*innen gelingt, die Introvertiertheit der Songs beizubehalten, spricht für ihr großes musikalisches Verständnis.

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Collapsed In Sunbeams hat es in Großbritannien unter die Top 3 und in Deutschland unter die Top 10 der Albumcharts geschafft. Im September wurde das Album zudem mit dem renommierten Mercury Prize für das beste britische Album des vergangenen Jahres ausgezeichnet. Der ganze Hype um ihre Person scheint Arlo Parks allerdings kalt zu lassen, wenn man ihr leichtfüßiges Verhalten auf der Bühne beobachtet. Während ihr ihr junges Alter ins Gesicht geschrieben steht, erweckt ihre zarte, aber selbstbewusste Stimme den Eindruck, als würde sie sich bereits seit Jahrzehnten die Konzertbühnen zu eigen machen. Das geschieht auch an diesem Abend: immer wieder lockert Parks die Stimmung auf, indem sie das Publikum beispielsweise dazu animiert, den Refrain von Caroline zu singen. Hervorzuheben ist auch das blumenhafte Bühnenbild, das den Titel ihres Albums konsequent weiterdenkt. Während ihres Auftritts nennt sie unter anderem Radiohead als musikalischen Einfluss und passenderweise sorgt jedes Mitglied ihrer Live-Band für mindestens einen erinnerungswürdigen Moment am jeweiligen Instrument. Einziger Wermutstropfen ist das recht abrupte Konzert-Ende nach der einzigen Zugabe Hope nach gerade einmal 55 Minuten. Doch das ist allemal mit der noch jungen Diskographie Arlo Parks‘ zu entschuldigen.

© Fotos von Romy Weidner

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Jonathan Schütz

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