Livereview: AnnenMayKantereit + Support, Jahrhunderthalle Frankfurt am Main, 04.03.2017

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Hype. Viel Hype. Viel Hype um AnnenMayKantereit. Das Kölner Quartett schießt zurzeit durch die Decke und spielt in ausverkauften Hallen, von denen manche Künstler, die seit Jahrzehnten auf der Bühne stehen, nur träumen können. Dabei ist das Debütalbum der Deutschrocker noch nicht einmal ein Jahr alt. Ist der Hype um AMK gerechtfertigt?

Die aller höchste eisenbahn (1 von 1)

Die Antwort dazu folgt später. Mit Die höchste Eisenbahn haben sich die Senkrechtstarter der deutschen Musik die Stars von morgen als Support Act an Bord geholt. Auf der vergangenen Tour durften Von wegen Lisbeth Support für AMK spielen. Die Lisbeths verkaufen mittlerweile selbst Club nach Club aus und werden im Herbst auf eigene Hallentournee gehen. Dass Die höchste Eisenbahn eine ähnliche Entwicklung haben werden, wäre keinesfalls überraschend. Schließlich betrieb das Quartett am vergangenen Samstagabend mächtig Eigenwerbung. Dafür sorgte zunächst einmal das kuriose Bühnenbild. Hauptsänger und Keyboarder Francesco Wilking nimmt an der Seite der Bühne Platz, dafür steht Zweitsänger und Gitarrist Moritz Krämer in der Bühnenmitte. Vervollständigt wird das Line-Up von Drummer und zweitem Keyboarder, der auch mal zum Bass greift. Ihre Musik lässt sich ebenfalls in die Indie-Schiene einordnen. Mal laute, aber größtenteils leise Töne erfüllten das Publikum mit Freude. Wer auf deutschsprachige, ehrliche und tanzbare Musik steht, sollte auf den Zug Die höchste Eisenbahn aufspringen.

AMK  (3 von 3)

Passend zum Hype um den Headliner des Abends machte sich im Publikum pure Vorfreude breit und als die jungen Kölner die Bühne betraten, gab es für die knapp 5.000 Besucher kein Halten mehr. Bevor mit ,,Wohin du gehst’’ der musikalische Teil die Überhand nahm, schrien die Frankfurter erst einmal laut und feierten die Band frenetisch. Justin Bieber? AnnenMayKantereit! Natürlich ließen die großen Hits erst einmal auf sich warten, doch bereits ab der ersten Minute zeigte das Quartett, warum sie die Newcomer überhaupt der letzten Jahre sind. Ihre Musik mag nicht jedem gefallen, doch dass Henning May ein äußerst talentierter Songwriter ist, steht außer Frage. Mit Texten über das Studentenleben, Vater-Sohn-Beziehungen oder gescheiterte Beziehungen trifft er den Nerv vieler junger Erwachsener. Auf der musikalischen Seite verstehen sich May, Schlagzeuger Severin Kantereit, Gitarrist Christopher Annen und Bassist Malte Huck blind. Die Band hat zu jedem ihrer Songs eine kleine Geschichte zu erzählen und so entwickelt sich der Abend in der seit Ewigkeiten ausverkauften Jahrhunderthalle schnell zu einer sehr intensiven Beziehung zwischen Band und Fans.

AMK  (1 von 3)

AnnenMayKantereit haben zudem bewiesen, dass sie mehr als nur Deutsch können. Mit ,,What He Wanted The Most’’, ,,James’’ und dem Bobby Hebb Cover ,,Sunny’’ durfte Henning May seine außergewöhnliche Stimme der englischen Sprache leihen. Untermalt von Ferdinand Schwarz an der Trompete ließen fünf talentierte junge Musiker den Funk groß aufblitzen. Dass filmende Handys heutzutage auf Konzerten häufiger gesehen werden als tanzende Menschen ist keine Seltenheit mehr und mit ihrem Song ,,Du bist überall’’ verschafften AnnenMayKantereit ihrem Unmut darüber ein Sprachorgan. Folglich trauten sich nur noch vereinzelt Konzertbesucher, das Handy zum Filmen auszupacken. Zum ersten Mal richtig laut seit dem Konzertbeginn wurde es, als Gitarrist Annen die ersten Töne von ,,Pocahontas’’ anspielte. Die Show war in ihrem letzten Drittel angekommen und nach ,,Oft gefragt’’ folgte mit ,,Barfuß am Klavier’’, dem Beatles-Cover ,,Come Together’’ sowie ,,21, 22, 23’’ ein Zugabenblock, der ein sehr gutes Konzert nach 85 Minuten perfekt beendete.

AMK  (2 von 3)

AnnenMayKantereit sind ihrem Hype mehr als gerecht geworden. Die Rheinländer sind nicht nur exzellente Musiker, sondern haben auch eine sehr gut abgestimmte Bühnenshow hingelegt. Sound- und lichttechnisch war das Konzert eine Augenweide und zur großartigen Atmosphäre hat auch die Hallendekoration beigetragen. An der Decke der Jahrhunderthalle befanden sich mehrere überdimensionale Lichterketten, die je nach Belieben leuchteten. AnnenMayKantereit ließen 5.000 begeisternde Fans unter einem sternenartigen Himmel zurück und es dürfte nicht wenige gegeben haben, die den Abend in einer Kneipe haben ausklingen lassen – ganz im Sinne der Band. AnnenMayKantereit werden sich an ihrem zweiten Album messen lassen müssen, doch nach solch einem großartigen Konzert wird kaum jemand dessen Qualität infrage stellen.

© Fotos von Valentin Krach

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Jonathan Schütz

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