Interview mit Nathan Gray von Boysetsfire

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Vor der Show in Wiesbaden konnte ich trotz seiner Stimmerkrankung mit dem Sänger Nathan Gray von Boysetsfire sprechen. In einem gemütlichen Raum mit Couch und Schreibtisch konnte ich mehr darüber erfahren, was den Prozess seiner Projekte angeht und warum es wichtig ist, sich als Band treu zu bleiben.

SL: Erzähl mal Nathan, was hat dich am meisten inspiriert beim Schreiben des neuen Albums? Gab es irgendeine bestimmte Sache, die euch beeinflusst hat?

Nathan: Nein, ich denke es war einfach Zeit für ein neues Album, weißt du? Wir haben uns einfach zusammengesetzt und entschieden, ein neues Album zu schreiben. Ich denke, allein die Inspiration in einer Band zu sein, die in einem Studio sitzt und Musik schreibt war Inspiration genug. Wir kennen uns schon ewig und spielen seit über 20 Jahren zusammen, das muss als Grund doch genügen! (lacht)

SL: Wie trennst du Iamheresy und deine Solo Arbeit im Gegensatz zu Boysetsfire?

Nathan: Naja, von Iamheresy hab ich mich getrennt. Ich musste etwas streichen, da es mir einfach zu viel war. Aber es gibt dennoch keinen Grund diese Gruppen zu trennen, es kommt einfach, wie es kommt. Ich bin frei und offen mit Dingen und mag es, sie umeinander zu planen, was glücklicherweise sehr gut klappt. Meine Solo Arbeit ist natürlich persönlicher und mehr ich selbst während Boysetsfire mehr eine diplomatische Demokratie ist, bei der jeder mitbestimmt was mit der Musik passiert. Wenn ich auf mich selbst gestellt bin, kann ich sagen und machen was auch immer ich will, was mir Raum zum Experimentieren gibt.

SL: Habt ihr Probleme damit, eure Musik in Boysetsfire energetisch und hart bleiben zu lassen oder ist es etwas ganz natürliches für euch?

Nathan: Nein, es ist einfach, was es ist. Die Musik ist und wird immer so bleiben, mein eigenes Projekt ist auch was es ist. Es ist einfach mein Beitrag zur Musik, die ich veröffentlichen will, sei es hart oder sanft.

SL: Vor einer Weile hast du von hymnenartigen Balladen gesprochen, welche auf dem Album enthalten sein sollten. Betrachtet man besonders den Song ‚Ordinary Lives’, so wirkt es als hättet ihr mit einem breiteren Sound experimentiert. Weshalb ist das so?

Nathan: Naja, damit hat es nichts mehr auf sich als dass wir das schon immer gemacht haben. Ich denke dass Boysetsfire einen Pfad eingeschlagen hat auf dem wir, wenn wir wollten, einen Country Song schreiben könnten und es würde irgendwie passen. Wir haben alles ausprobiert, dadurch schreibt sich die Musik mittlerweile von selbst. Wir folgen einfach unseren Ideen und machen hier und da ein paar Variationen aber offensichtlich lieben die Fans eine Hook, jeder liebt einen hymnenartigen Song und Refrain.

SL: Wer hat das Sagen wenn ihr Songs zusammen schreibt?

Nathan: Bezüglich meines eigenen Projekts entscheide ich natürlich selbst, was sich am besten für mich anfühlt. In Boysetsfire sind jedoch alle gleichwertige Partner. Die Musik, die Texte, alles – wir arbeiten alle zusammen daran. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich mich nach einem Soloprojekt gesehnt hatte, um meine eigenen Ideen der Öffentlichkeit zeigen zu können.

SL: Wenn ihr eure Tour plant ist ja immer viel Planung mit inbegriffen. Dürft ihr euch selbst eure Vorbands aussuchen, oder übernimmt dies das Label?

Nathan: Es ist ein bisschen von beidem. Ich meine, wir betreiben unsere Plattenfirma selbst, unser Label sind wir. Wir treffen die Entscheidungen für Support Acts meist in Hinblick darauf, wie gut wir uns mit ihnen verstehen, da es einfach mehr Spaß macht, mit Freunden zu touren. Wenn man nämlich mit Fremden tourt, weiß man nie, was man bekommt: auf der Bühne und hinter der Bühne. In diesem Fall haben wir jedoch zum Beispiel Bands dabei, mit denen wir gut befreundet sind, was die Dinge für uns stark erleichtert.

SL: Bedenkt man, dass Robert in Deutschland wohnt und ihr sozusagen eine internationale Band seid, wo denkst du seid ihr am Bekanntesten? Wie unterscheiden sich die Fanbases?

Nathan: Meines Wissens nach kennt man uns überall, aber wenn es darum geht, die Leute zu Shows zu bekommen, so hat Deutschland in bestimmten Gegenden mit am meisten für uns getan. Wie zum Beispiel heute der Abend wird spitze, gestern in Münster war klasse. Wir haben einfach mehr Leute hier, die uns folgen und live zuhören und das finden wir richtig gut. Immerhin gehen wir dahin, wo man uns mag, weswegen wir da etwas entspannt sein können. Besonders in Köln können wir quasi unser zweites Zuhause nennen, deswegen haben wir dort auch unser Family First Festival veranstaltet. Es sind schon 21 Jahre vergangen. Wir haben keinen Grund, gestresst oder besorgt um irgendetwas zu sein, die Zeiten sind vorbei. Wir spielen einfach dort Shows, wo man uns sehen möchte und haben dabei verdammt viel Spaß!

SL: Siehst du die Band mehr wie eine Familie oder nur als Gruppe von Musikern?

Nathan: Wir sind beides, aber um es kurz zu erklären (legt beide Hände neben den Medikamenten auf den Tisch): Das ist mein Haus, das ist Joshs Haus, das ist Chads Haus. Also ja, wir sind eine Familie!

SL: Danke für das Interview und viel Erfolg bei der Show!

Nathan: Danke und bis bald!

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Alex Loeb