CD Review: Van Holzen – Anomalie

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Das Fremdwort Anomalie stammt aus dem Griechischen und bedeutet ,,Unregelmäßigkeit’’. Anomal ist auch das gleichnamige Debütalbum der deutschen Newcomer Van Holzen, die auf ,,Anomalie’’ so ziemlich alles richtig machen, was man nur richtig machen kann.

Van Holzen existieren bereits seit 2009. Das Trio hat sich im Alter von etwa zehn Jahren als Schülerband formiert und probte jahrelang unter dem Namen Rockfish. Seit 2015 machen Florian Kiesling, Jonas Schramm und Daniel Kotitschke als Van Holzen zusammen Musik. Im vergangenen Jahr erschien mit ,,Van Holzen’’ eine Debüt-EP, die bereits andeutete, welches Potenzial in den Ulmern steckt. Ihr volles Potenzial rufen die Drei nun auf ,,Anomalie’’ ab. Das fängt bereits beim Einstiegssong ,,Herr der Welt’’ an. Bevor Sänger und Gitarrist Florian Kiesling seine arrogant wirkende Stimme erhebt, blasen Van Holzen einem erstmal wuchtige Riffs entgegen. Während bei ,,Herr der Welt’’ noch stark der Post-Hardcore Einfluss zu spüren ist, fährt das Trio diesen auf den folgenden Nummern erstmal zurück. ,,Erfolg’’, ,,Reichtum’’ und ,,Schüsse’’ bewegen sich zwischen Alternative und Stoner Rock und stehen dem Albumgewand extrem gut, bevor Van Holzen im großartigen Mittelteil ihres Albums zeigen, wie gut deutschsprachige Rockmusik sein kann, wenn sie nicht mit dem Ziel produziert wird, im Radio zu laufen. ,,Karneval’’ kommt alles andere wie ein Freudenfest daher und mit ,,Nie’’ zeigen Van Holzen orthodoxen Songstrukturen und Rhythmen einen großen Mittelfinger. Der wuchtigste Song der Platte ist ,,Jagd’’. Mit diesem Riff-Monster setzen sich Kiesling & Co. endgültig die Krone des deutschsprachigen Alternative Rock im Jahre 2017 auf.

Nach diesem Orgasmus-Gewitter kommt mit ,,Hyäne’’ zur richtigen Zeit der konzeptionellste Song der Platte. In gut zwei Minuten vernebeln Van Holzen mit einer ruhigen Stoner-Nummer die Geiste, um anschließend ,,Kopfgeld’’ auszusetzen und wieder härtere Töne anzuschlagen. Es ist mehr als erstaunlich, wie perfekt das Gespann seine Ideen und Absichten mit einer durchschnittlichen Songlänge von noch nicht einmal drei Minuten auf Platte gebracht hat. Ein großes Lob gebührt sicherlich Produzent Philipp Koch, hauptberuflich Gitarrist der Post-Hardcore Band Heisskalt. In Interviews berichten Van Holzen immer wieder, wie viel Mut er der Band gegeben habe, mal Sachen auszuprobieren, die vielleicht etwas verrückt wirken könnten und mutig zu sein.
Auch die abschließenden Tracks ,,Keine Zeit’’ und ,,Leichenschmaus’’ wissen zu begeistern. Insbesondere ,,Leichenschmaus’’ setzt ein finales Ausrufezeichen und beendet ,,Anomalie’’ so wie es begann:  Selbstsicher, spannend und frisch.

Van Holzen haben das spannendste deutschsprachige Debütalbum seit Jahren produziert. Bemerkenswert, wenn man beachtet, dass das Trio aktuell noch Abiturprüfungen und Abschlussprüfungen zum Industriekaufmann zu bestehen hat. Van Holzen stehen mit einem Vertrag bei Warner und einem großartigen Album alle Türen offen. Hinter Genre-Vorreitern wie den Queens of the Stone Age oder Biffy Clyro muss sich das Trio nicht mehr verstecken.

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Jonathan Schütz

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