CD Review: You Me At Six – Night People

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Wir schreiben das Jahr 2017. Die weltpolitische Situation scheint aus den Fugen zu geraten. Ein Donald Trump wird Präsident der Weltmacht USA und die ganze Welt steht angesichts dieser Tatsache Kopf. Verschiedene Musikergruppen nutzen ihr Sprachrohr, um auf Missstände aufmerksam zu machen und die Leute zum Protest zu motivieren. Und dann gibt es da noch You Me At Six. Die britische Rock-Formation konzentriert sich auf ihrem neuesten Album lieber auf zwischenmenschliche Beziehungen und scheitert auf ,,Night People’’ daran, etwas Fortwährendes zu erschaffen.

Mit dem Titeltrack beginnt das Album groovig und die Erwartungen an den Rest des Albums steigen. Doch schon mit ,,Plus One’’ und ,,Heavy Soul’’ setzt erste Langeweile ein. Ungewohnt ruhig zeigt sich das Quintett und teilweise fragt man sich, wofür die Band zwei Gitarristen benötigt. Die von Stereotypen nur so überladene Ballade ,,Take On The World’’ kommt bei Weitem nicht an das kraftvolle ,,Crash’’ vom dritten Album ,,Sinners Never Sleep’’ ran. Lichtblicke sind auf ,,Night People’’ rar gesät. Die Refrains sind zwar extrem catchy, die Strophen verbreiten hingegen extreme Müdigkeit und von den Bridges will ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen. Dass die Band es besser kann, zeigt sie beim extrem düsteren ,,Spell It Out’’. Die Stimme von Frontmann Josh Franceschi schwebt bei dem besten Track der Platte in einer undurchdringbaren Blase und wird von leisen Gitarrentönen getragen, bis der Song nach der Hälfte ausbricht und explodiert. Davon hätten wir gerne mehr gesehen!

,,Night People’’ ist keinesfalls ein schlechtes Album, es strotz nur so vor Belanglosigkeit und unwichtigen Texten. In Großbritannien zählt die Gruppe zu den absoluten Stars der modernen Rockmusik. Die letzten drei Alben erreichten jeweils die Top 5 der Albumcharts und auch ,,Night People’’ enttäuschte in dieser Hinsicht mit Platz 3 nicht. Nach gut drei Jahren Wartezeit ist die Platte jedoch eine herbe Enttäuschung. Zehn magere Songs mit einer Gesamtlauflänge von 35 Minuten sind nicht das, was man erwarten durfte. Wer zu Beginn des Jahres Musik mit Eiern hören möchte, sollte sich die neue Code Orange Scheibe ,,Forever’’ (hier geht’s zum Review) anhören. Wer dagegen qualitativ hochwertige Rockmusik erleben möchte, ist beim Debütalbum ,,Surveillance’’ der Supergroup Vanishing Life perfekt aufgehoben. Ansonsten gibt es im Fazit ein paar Tipps, was man in 35 Minuten Besseres unternehmen kann, als sich ,,Night People’’ anzuhören.

Liebe machen, sein Auto putzen, Joggen gehen, Kochen, zwei EPs hören, sich mit dem Nachbar streiten, ein neues Haustier aussuchen, über den Sinn des Lebens nachdenken, gepflegt Duschen gehen, sich hemmungslos betrinken, zehnmal die Silver Star im Europa-Park fahren, diesen Artikel abtippen, ein Mittagsschläfchen machen. Oder sich ,,Night People’’ anhören und eine eigene Meinung bilden.

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Jonathan Schütz

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