CD Review: Razz – Nocturnal

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Für alle Indie-Fans, denen die Arctic Monkeys zu rockig und Kakkmaddafakka zu tanzbar sind, veröffentlichen die Niedersachsen Razz am 08. September ihr zweites Album ,,Nocturnal’’.

Razz haben sich 2011 in Twist im Emsland gegründet. 2015 erschien ihr Debütalbum ,,With Your Hands We’ll Conquer’’, das ihnen prompt eine eigene Headliner-Tournee ermöglichte sowie die Chance gewährte, im Vorprogramm von Kraftklub zu spielen. Diesen Herbst darf das Quartett Mando Diao auf deren Deutschland-Tour supporten. Mit den Schweden haben Razz musikalisch eine größere Übereinstimmung als mit den deutschen Rotjacken aus Chemnitz. Trotz vieler musikalischer Einflüsse und Verarbeitungen, sind Razz übergeordnet dem Indie-Rock zuzuordnen. Dazu gesellen sich jeweils eine Prise Garage Rock und Blues Rock sowie jede Menge moderne Beats aus dem Synthesizer.

Das klingt alles erstmal vielversprechend und nach der nächsten Indie-Hoffnung aus dem eigenen Land, doch das sind Razz nicht. ,,Nocturnal’’ ist kein schlechtes Album geworden, ein besonders gutes aber leider auch nicht. Das fängt schon beim Opener ,,Paralysed’’ an. Nach zwei guten Strophen und mitsingbaren Refrains kommt in Form der Bridge der Sandmann vorbei und nimmt jede Menge Fahrt raus. Schon beim ersten der zwei vorab veröffentlichten Songs wird klar, dass Razz auf Überschneidung der Vocals abfahren, was sie im Laufe des Albums aber überstrapazieren. Da wäre weniger mehr gewesen. Der zweite Song, ,,Trapdoor’’, weiß mit einer rockigen Bridge zu begeistern, endet dafür aber zu abrupt. ,,Could Sleep’’ leidet unter denselben Symptomen wie ,,Paralysed’’, während ,,Another Heart/Another Mind’’ nach spacigen, an den Weltraum erinnernde Synthie-Backings, zu sehr vor sich hinplätschert und nicht richtig in Fahrt kommt. Das Feature der Giant Rooks hätte man sich hier auch sparen können, zumal der Gastbeitrag nicht klar hervorsticht. Mit ,,Silver Lining’’ geht es dann mal etwas direkter und rockiger zur Sache, bevor ,,Step Step Step’’ statt zum schnellen Tanz zum langsamen Blues einlädt. Das selbe Prozedere folgt mit ,,By & By’’ und ,,Lecter’’. Hit der Platte ist eindeutig ,,Let It In, Let It Out’’, das die Band vorab als Single veröffentlicht hat. So bleibt nach gut 40 Minuten vor allem der Eindruck von viel verschenktem Potential.

,,Nocturnal’’ wird bestimmt kein Album, das zu nächtlicher Ekstase verleiten wird. Obwohl Sänger Niklas Keiser eine sehr markante Stimme besitzt, kann er diese nicht oft gewinnbringend einsetzen, was schade ist, da die deutsche Band – die sich mal so gar nicht Deutsch anhört – ihr durchaus vorhandenes Potential wohl im Emsland an der niederländischen Grenze verloren hat.

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Jonathan Schütz

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