CD Review: Radio Havanna – Utopia

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Radio Havanna verfolgen weiter ihren Dreijahresrhythmus und veröffentlichen mit “Utopia“ am 12. Januar ein Deutschpunk-Album voller Hymnen.

Die offensichtlichste Veränderung gegenüber dem 2015 erschienenen fünften Album “Unsere Stadt brennt“ ist die Veröffentlichung des sechsten Albums auf dem neu gegründeten, bandeigenen Label Dynamit Records. Musikalisch bleiben sich die Wahlberliner jedoch treu: Zwischen Punk, Rock und Pop fühlen sich Radio Havanna auch in einer veränderten politischen Gesellschaft wohl. Mit der AfD sitzt erstmals seit 1945 wieder eine rechtspopulistische Partei im Bundestag und das kotzt auch das Quartett deutlich an, was man vor allem im Vorboten “Faust hoch“ lyrisch erkennt: “Faust hoch, Faust hoch, wenn die Dummheit marschiert und Angst regiert/Weil die Marschrichtung die Vergangenheit ist, geben wir keinen Zentimeter nach“.

Ihren größtenteils angriffslustigen Punk-Rock würzen Radio Havanna zudem mit humoristischen Anteilen, wie in “Homophobes Arschloch“, dem besten Song der Platte. In “Mein Name ist Mensch“ kritisiert die Band die Konsumgesellschaft und das Bedürfnis der Menschen, alles besitzen zu müssen. Der Song beendet zudem die starke A-Seite der Platte – mit “Schwarzfahrer“ und “Hinter mir“ gibt es auf der schwächeren B-Seite nur zwei Hits. Die zweite Hälfte des Albums gestaltet sich außerdem deutlich poppiger und weniger punkig. “Phönix“ schließt die Platte mit einem unerwartet großen Hoffnungsschimmer ab und zwingt schon fast zum Aufstand und zum Ergreifen der Initiative. Gezwungen ist das allemal – wem das nicht zusagt, sollte schnell das Weite suchen und nicht darauf hoffen, sich verstecken zu können. Radio Havanna würden sie finden.

Musikalisch ist “Utopia“ keine Offenbarung, das wissen Radio Havanna wahrscheinlich selbst nur zu gut. Textlich gehört das Berliner Quartett zu den hoffnungsvollsten Punk-Bands des Landes und reiht sich unmittelbar neben den Donots oder Feine Sahne Fischfilet ein, die ebenfalls Mitte Januar neue Alben veröffentlichen. Um Deutschpunk muss man sich aktuell keine Sorgen machen.

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Jonathan Schütz

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