CD Review: Papa Roach – Crooked Teeth

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Auf ihrem neunten Studioalbum nähern sich Papa Roach der Pop-Musik gefährlich nahe.

Was war die Vorfreude groß, als die US-Amerikaner im vergangenen Jahr den Titeltrack ihrer neuesten Platte, ,,Crooked Teeth’’, veröffentlicht haben. Ein bissiger Jacoby Shaddix, eine groovende Gitarre und ein ins Ohr gehender Refrain vermittelten den Eindruck, die früheren Nu-Metal Helden würden sich ihrer alten Stärken besinnen. Die zweite Singleauskopplung ,,Help’’ hingegen ist ein echter Rock-Disco-Bouncer und hätte auch sehr gut auf ,,The Paramour Sessions’’ vorzufinden sein können. Während andere Bands es bei zwei Vorveröffentlichungen belassen, knallen Papa Roach vor Albumrelease noch weitere vier Tracks heraus und haben somit vor dem 19. Mai bereits mehr als die Hälfte des Albums veröffentlicht. So dürfte am Freitag keine Seele mehr von der Experimentierfreudigkeit des Quartetts überrascht sein.

Doch von vorne. Eingeleitet wird die Platte von ,,Break the Fall’’. Zunächst wird man von Streichern begrüßt, ehe Frontmann Shaddix in der Strophe rappt, bevor pünktlich zum Refrain die Instrumentalfanfare geblasen wird und man Papa Roach als Papa Roach wahrnimmt. Insgesamt ein guter Opener und im Zusammenspiel mit dem folgenden ,,Crooked Teeth’’ werden erste Erwartungen an den Rest des Albums aufgebaut.
Diese bekommen allerdings direkt mit ,,My Medication’’ einen kleinen Dämpfer. Auch hier darf Jacoby Shaddix wieder rappen, ehe der Refrain die rockige Seite zeigt. Dafür geht es in diesem Song allerdings entspannt und ruhig zu.
Generell merkt man dem Album an, dass der Sänger hier die kreative Oberhand hatte. In den meisten Songs wird der Freiraum der Strophen für Sprechgesang, untermalt von Hip-Hop Beats, genutzt. Ist das noch Nu-Metal? Nein. Ist das schon Sellout? Nein. Man merkt der Band die Freude am Experimentieren an und solange sie der Rock-Musik nicht zu 100% den Rücken zuwendet, warum sollte man der Band das Übelnehmen? Papa Roach waren schon immer offen für andere Einflüsse und keine eindeutige Rock-Band.

Mit ,,Born for Greatness’’ gibt es sogar einen echten Pop-Song auf ,,Crooked Teeth’’. Im Pre-Chorus gibt es Oh-Oh-Chöre, die stark an Imagine Dragons erinnern, bevor es nach einem Put-Your-Hands-Up-Beat einen fast schon elektronischen Rock-Breakdown gibt.
Der Rest der Platte dümpelt dagegen bis auf wenige Ausreißer etwas zwischen Hip-Hop, Rock und Pop vor sich hin. Mit ,,Traumatic’’ reißen Papa Roach alle aus dem Tiefschlaf, der ,,Sunrise Trailer Park’’ verschuldet war, während ,,None of the Above’’ bis auf den merkwürdigen Buchstabier-Gesang ein ordentlicher Abschluss der Platte ist. Auf der Deluxe Edition finden sich zudem mit ,,Ricochet’’, ,,Nothing’’ und ,,Bleeding Through’’ drei gute, einheitliche Rock-Songs.

Dass die neuen Platten der früheren Nu-Metal Pioniere Papa Roach und Linkin Park am selben Tag erscheinen, dürfte ein unfreiwilliger Zufall sein, verschreiben sich doch beide Bands auf ihren neuen Werken immer mehr dem Pop. ,,Crooked Teeth’’ ist definitiv kein schlechtes Album, es ist für alteingesessene Fans nur gewöhnungsbedürftig. Eine Band, die schon lange über ihrem Zenit ist, sollte jedoch das Recht haben, sich auszuprobieren und einen neuen Stil zu kreieren. Denn nichtsdestotrotz bleiben Papa Roach eine erstklassige Liveband, die man einmal live erlebt haben sollte.

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Jonathan Schütz

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