CD Review: Green Day – Revolution Radio

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Kann eine Band, die seit 29 Jahren existiert, 11 Alben veröffentlicht hat, alle großen Festivals als Headliner gespielt hat, 75 Millionen Tonträger verkauft hat und seit 2015 in der Rock and Roll Hall of Fame ist, mit ihrem zwölften Studioalbum noch neue Akzente setzen und eine ganze Fangemeinde in Aufruhr versetzen? Im Falle von Green Day und ihrem neuen Werk ’’Revolution Radio’’ ist diese Frage mit einem klaren Ja zu beantworten!

Album-Veröffentlichungen waren seit der Jahrtausendwende im Hause Green Day eher rar gesät. 2004 gab es mit ’’American Idiot’’ das große Manifest einer Generationen überdauernden Punk-Band, fünf Jahre später feierten die US-Amerikaner mit ’’21st Century Breakdown’’ einen ebenfalls großen Erfolg. 2012 wurde hingegen zu einem eher bitteren Jahr für Billie Joe Armstrong, Mike Dirnt und Tré Cool. Mit der Album-Trilogie ’’¡Uno!’’, ’’¡Dos!’’, ’’¡Tré!’’ konnten sie nur wenig überzeugen und zogen sich in den letzten zwei Jahren verstärkt zurück. Vor circa zwei Monaten präsentierten Green Day mit ’’Bang Bang’’ die erste Single aus dem neuen Album ’’Revolution Radio’’ aus dem Nichts und nun, kurze Zeit später, wurde das zwölfte Studioalbum endgültig veröffentlicht.

Mit dem Album-Opener ’’Somewhere Now’’ eröffnen Green Day ihr neues Werk mit ruhigen Tönen auf der Akustik-Gitarre und leisem Gesang von Billie Joe Armstrong, ehe nach kurzer Zeit die typischen Punk-Elemente das Steuer übernehmen. Klassische Green Day Riffs und Backing Vocals ertönen aus den Lautsprechern. Dennoch gehört ’’Somewhere Now’’ zu den schwächeren Songs auf ’’Revolution Radio’’. Mit ’’Bang Bang’’ und ’’Revolution Radio’’ folgen die wahren Intros der Platte. Zwei absolut grandiose Punk-Nummern, von denen sich besonders ’’Bang Bang’’ nahtlos neben Evergreens wie ’’American Idiot’’, ’’Know Your Enemy’’ oder sogar ’’Basket Case’’ einreiht. Hier zieht das Tempo direkt an, Tré Cool haut ein grandioses Schlagzeug-Solo raus und der 90er-Punk ist durch einen extrem sozialkritischen Text zu spüren. Chapeau! Der Titeltrack des Albums hingegen weiß mit seinem textlich genialen Refrain zu überzeugen und verbreitet extrem gute Laune.

Direkt im Anschluss findet sich mit ’’Outlaws’’ ein Song mit Überlänge, der auch wunderbar in die Punk-Oper ’’American Idiot’’ gepasst hätte. In den Strophen ruhig untermalt von Pianoklängen, im Chorus hingegen eine förmliche Explosion, gefolgt von einem fantastischen Gitarrensolo in der Bridge. Doch neben solchen leicht größenwahnsinnigen Tracks gibt es auf ’’Revolution Radio’’ auch weiterhin kurze und schnelle Punk-Snacks wie ’’Bouncing Off The Wall’’ und ’’Youngblood’’. Zwischen den beiden Songs befindet sich mit ’’Still Breathing’’ die dritte Single des Albums. Die Rock-Ballade sprudelt vor Kitsch und dürfte manchen Fans nicht gefallen. Für mich passt der Song jedoch absolut in den Kontext des Albums und er trifft meinen persönlichen Geschmack.

Doch damit nicht genug! Green Day war schon immer eine Band, die nicht vor überlangen Songs zurückgeschreckt ist und so zelebriert das Trio mit ’’Forever Now’’ an elfter Stelle einen knapp sieben Minuten langen Song, in dem sie noch einmal Bezug zum ersten Song ’’Somewhere Now’’ nehmen. Das Outro ’’Ordinary World’’ fügt dem Ganzen dann an letzter Stelle noch eine neue Note hinzu: Eine Akustik-Ballade im Sinne von ’’Good Riddance’’. Auf ihrer aktuellen USA-Club-Tour stellt der Track bereits neben ’’Good Riddance’’ die zweite Zugabe dar und es würde mich nicht überraschen, wenn der Song zu einem Green Day Klassiker mutieren würde.

Alles in allem haben Green Day mit ’’Revolution Radio’’ ein sehr gutes Album veröffentlicht. Green Day sind hier zu 100% Green Day und keine andere Band. Man kann das Trio nur dafür loben, dass sie den Ansatz gewählt haben, ein kleineres und nicht aufgeblasenes Album zu veröffentlichen, denn das haben die US-Punks zuletzt mit ’’Warning’’ im Jahr 2000 getan.
Alle Punks da draußen, die sich der Idiot Nation zugehörig fühlen, seid bereit für die große ’’Revolution Radio World Tour’’ im nächsten Jahr, wenn die großartige Live-Kapelle Green Day wieder um die Welt reist!

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Jonathan Schütz

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