CD Review: Any Given Day – Everlasting

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Die deutsche Metal-Institution Any Given Day veröffentlicht am 26.08. ihr zweites Studioalbum ’’Everlasting’’ und macht nicht nur mit dem Albumtitel klar, dass sie bereit ist, mit einer ordentlichen Portion Wut die Karriereleiter weiter nach oben zu klettern.

Das bereits im April angekündigte Werk aus dem Hause Redfield Records gibt dem Zuhörer im Opener ’’My Doom’’ etwas Zeit, sich auf den ersten Paukenschlag des Albums vorzubereiten. Nach einem sehr mystischen und geheimnisvollen Anfang lassen die Pott-Jungs ihre Djent-Einflüsse und die bereits bekannten Growler-Qualitäten von Frontmann Dennis Diehl auf die Massen los. Dabei legt sich der folgende, clean gesungene Refrain mit seinem leicht verlangsamten Tempo wie ein Mantel über den Rücken des Auditoriums. Heraus sticht beim ersten Track die Zeile ,,Is this where I meet my doom?’’ im Pre-Chorus. Nach diesem passenden ersten Song findet sich an Stelle zwei mit ’’Endurance’’ die erste Singleauskopplung des Albums. ’’Endurance’’ macht unmissverständlich klar, woran man hier gestoßen ist. Sehr tiefe Growls in den Strophen und ein erneut clean gesungener Refrain zementieren den ersten Eindruck, den man von dieser Band in den ersten Minuten der Platte gewonnen hat, in das Gedächtnis ein.

Im Verlauf des Albums kommt es eher zu wenigen Ausbrüchen aus dem bekannten Any Given Day – Stil. Hier ein Breakdown, da ein Breakdown. Das kann auf Dauer langweilen, jedoch schaffen es die fünf Bandmitglieder, den Spannungsbogen konstant hoch zu halten. Das liegt zum einen an dem nuancierten Einsatz von elektronischen Klängen wie am Ende von ’’Endurance’’ oder ’’Levels’’, das heute als dritte Single veröffentlicht wurde. Auf der anderen Seite hat die Metalcore-Band es geschafft, einen nahezu perfekten Ausgleich zwischen Growls und Clean-Gesang zu schaffen, das einen der jeweilige Stimmeneinsatz nie ungelegen erscheint. Jedoch gibt es noch starken Verbesserungsbedarf im Tempo des Clean-Gesangs, der oft – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – das Tempo aus den Songs rausnimmt.

Ein erstes Highlight findet sich mit Track sechs ’’Sinner’s Kingdom’’. Hier verlangsamt der Gesang im Refrain nicht das Tempo, stattdessen bereitet er den folgenden Breakdown zu Beginn der zweiten Strophe perfekt vor, ehe die melodische E-Gitarre weiter ihre Runden drehen und das Publikum begeistern darf. Ein weiterer Kracher ist der Song ’’Farewell’’, der gänzlich ohne Growls auskommt und der ruhigste Song auf der Platte ist. An dieser Stelle beweisen Any Given Day, das sie auch ruhigere Töne beherrschen. Nichtsdestotrotz ist ’’Farewell’’ immer noch ein Metalcore-Track. Für ihr neuestes Album konnten die Djentlemen als Special Guest niemand geringeren als Matthew K. Heafy, Frontmann von Trivium, gewinnen. Im vorletzten Stück ’’Arise’’ wirkt seine Stelle wie eine politische Rede, ehe mit ’’Vice Grip’’-ähnlichen ,,Rise! Rise!’’-Backgroundrufen der Wille geweckt wird, diesen Song einmal live zu hören.
Wie das Intro beginnt auch das Outro ’’The Bitter Man’’ eher verhalten, ehe Sänger Dennis das Gehör mit der Line ,,I am alone’’ ein letztes Mal penetriert und ein letztes Mal ein Breakdown erklingt. Im letzten Song wechseln Any Given Day immer wieder zwischen ruhigeren und härteren Stellen und immer wieder zwischen Growls und Gesang, ehe ’’Everlasting’’ ein abruptes Ende nimmt.

Any Given Day haben das Metalcore-Genre sicherlich nicht neu erfunden, aber einen hörenswerten Beitrag geliefert und sich selbst neue Impulse gegeben. Diese Band weiß wo sie hin will und auf diesem Weg nehmen sie keine Abkürzung, sondern bleiben ihrem Stil treu. Es ist an der Zeit für Any Given Day, dass sich ihr Bekanntheitsgrad ausweitet, denn ’’Everlasting’’ wird andauern.

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Jonathan Schütz