CD Review: Fjørt – Couleur

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Seit “Kontakt“ sind keine zwei Jahre vergangen und dennoch präsentieren Fjørt mit “Couleur“ am 17. November ihr nächstes Meisterstück.

Das im Januar 2016 erschienene Album war eine Offenbarung. So roh, dreckig und angepisst hatte lange keine deutsche Post-Hardcore-Band geklungen. Auf “Couleur“ gehen die Aachener diesen Weg konsequent weiter. Wer vom dritten Album der 2012 gegründeten Band eine gravierende Weiterentwicklung erwartet, dürfte enttäuscht werden. Fjørt klingen wie Fjørt. Und das ist auch gut so. An manchen Stellen überrascht die Band dennoch mit Nuancen. Doch von vorne.

“Südwärts“ eröffnet die Platte und bringt für Fjørt-Verhältnisse ordentlich Groove mit. Schlagzeuger Frank Schophaus spielt sein Instrument während den Riff-Orkanen wie eine Pauke und Chris Hells Stimme rotzt nur so vor sich hin. Der bereits veröffentlichte Titeltrack der Platte ruft zur freien Meinungsäußerung auf, während “Raison“ der politischste Song des Albums ist. “Ich bin zu müde zum zählen/ Ich habe 1933 Gründe schwarz zu sehen/ doch egal, wie viel da kommt/ ich hab’ alles was ich brauch’/ denn die 1933 Gründe/ ihr habt sie auch” könnte nicht aktueller sein und das rechte Gesindel nicht mehr attackieren.

Obwohl die Songs teilweise langsamer und weniger hart sind, entfalten sie aufgrund ihrer düsteren Texte eine Bedrohlichkeit, die Angst machen kann. So auch in “Bastion“ oder “Zutage“. Mit ihrem Sound experimentieren Fjørt leicht in “Eden“ sowie im bereits angesprochenen “Raison“, das düstere Soundgeräusche untermischt, die schon fast an den Film-Soundtrack von “Blade Runner“ erinnern. Absolut kompromisslos agiert das Trio hingegen in “Mitnichten“, der zu den härtesten Songs zählt, die die Aachener bislang geschrieben haben. Ebenso hart ist der Ausklang der Platte. “Karat“ baut sich langsam auf, ehe der Track das Motiv des ersten Songs noch einmal aufgreift und dieses in Grund und Boden stampft.

Fjørt kennen einfach kein Mittelmaß. Ihre Diskographie bleibt qualitativ eine Klimax und es scheint, als hätte sie ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Nach “Couleur“ kann allerdings nicht mehr viel kommen. Wieder einmal haben Fjørt ein Album kreiert, dass das Potenzial zum Album des Jahres besitzt.

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Jonathan Schütz

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