CD Review: Casper – Lang lebe der Tod

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Endlich ist es soweit. Vier Jahre nach ,,Hinterland’’ und nach einer Verschiebung von einem Jahr erscheint ,,Lang lebe der Tod’’, das vierte Studioalbum von Casper. Die Wartezeit hat sich gelohnt.

Es ist unklar, in welchem Stadium sich die Platte befunden hat, als Casper seinem Label mitgeteilt hat, dass er sie auf unbestimmte Zeit verschieben möchte. Heute ist klar, dass es für das Album und Casper selbst die beste Entscheidung war. Zwar musste er neben dem Album auch die damit verbundene Arenen-Release-Tour vom Frühjahr auf den Herbst verschieben und große Festivalslots ohne die Füllmenge eines neuen Albums spielen, doch auch das hat der Bielefelder gemeistert, wie wir eindrucksvoll beim Taubertal Festival erlebt haben. Auf der Sommer-Tour fanden jedoch bereits vier Songs einen Platz im Live-Repertoire. Von bombastischem Intro-Song (,,Lang lebe der Tod’’) über einen Mutmacher (,,Keine Angst’’) bis hin zu einem Verschwörungs-Dubstep-Inferno (,,Sirenen’’) war alles dabei. ,,Alles ist erleuchtet’’ ist hingegen der klassischste Casper-Song von diesem Quartett. Mit schnellen Rap-Lines und einer großen Hook hätte der Song auch wunderbar auf ,,XOXO’’ gepasst. Obwohl die vorab gespielten Songs nahezu die erste Hälfte der Platte ausmachen, präsentiert sich der Rest des Albums auf einer Augenhöhe.

Das wird schon im anschließenden ,,Lass Sie gehen’’ deutlich, das ebenfalls durch zwei Gastauftritte besticht. Während der Hamburger Rapper Ahzumjot den großartigen Refrain beigesteuert hat, zeigen sich Portugal. The Man für die Bridge verantwortlich. Zwar ist nur Frontmann John Gourley zu hören, das verwendete Sample sollte hingegen auf dem aktuellen Album ,,Woodstock’’ der US-Indie-Rocker landen, fand’ jedoch keine Verwendung. Portugal. The Man haben zudem einen anderen Teil zur Entstehung der Platte beigetragen. Im vergangenen Herbst begab sich Casper mit Produzent Markus Ganter in die USA, um abzuschalten und an Beats herumzubasteln. Da jedoch immer alles anders kommt, fanden sich die beiden auf einmal im Tourbus des Indie-Quintetts wieder und nach einer durchzechten Nacht entschieden sich Casper und sein Produzent die Band spontan auf ihrer USA-Tour zu supporten. Ohne große Bühnenshow und nur mit einem Laptop und Mikrofon bewaffnet. Die US-Amerikaner revanchierten sich und so landeten sie auf ,,Lang lebe der Tod’’.

Das folgende ,,Morgellon’’ handelt von Verschwörungstheoretikern und deren eigener Wahrheit. ,,Wo die wilden Maden graben’’ gehört trotz unhandlichem Titel zu den besten Songs, die Casper bislang geschrieben hat. Mit einem unfassbaren Tempo rauscht seine erstklassige Band vorbei und holt ihren General schnell ab, bevor die beiden Parteien im Zusammenspiel einen sehr rockigen Rap-Song abfeuern, der in der Bridge eine 180 Grad Wendung vollzieht und mit schweren Beats aufwartet. ,,Deborah’’ ist als leiser Song über Depressionen somit sehr gut platziert. Casper präsentiert sich nach seiner lautesten Seite hier von seiner ruhigsten Seite, was wie in ,,Meine Kündigung’’ dem Album sehr gut steht und der LP eine weitere Facette hinzufügt. ,,Flackern, Flimmern’’ beendet das neue Casper-Album wie schon seine Vorgänger auf epischste Art und Weise. In über sechs Minuten erzählt die kratzigste deutsche Rapper-Stimme noch einmal eine eigene Geschichte und erschafft den womöglich größten Casper-Refrain aller vier Alben.

,,Lang lebe der Tod’’ ist das bislang vielseitigste Album von Casper. Ohne wirkliche Schwachstelle präsentiert der Bielefelder einen spannenden Mix aus Rap, Rock, Pop und Indie. Aufgrund der immensen Vielseitigkeit ist es schwer einen einzelnen Favoriten herauszupicken. Jedes einzelne Werk besticht durch individuelle Stärken. Trotz mühevollem Entstehungsprozess und damit verbundener Ungewissheit steht ,,Lang lebe der Tod’’ seinen vorherigen Werken in nichts nach. Wir sind bereit für die Tour, Casper, bist du es auch?

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Jonathan Schütz

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