Review: Casey – Where I Go When I Am Sleeping

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Mit “Where I Go When I Am Sleeping“ veröffentlichen Casey ihr zweites Studioalbum, das, wie schon das erste Album “Love Is Not Enough“, persönliche Geschichten aus dem Leben von Frontmann Tom Weaver erzählt. Seine Erfahrungen mit Depression, Liebe, Verlust und Frustration werden lebhaft beschrieben und sorgen gepaart mit seinen leidtragenden Schreien und seinem gefühlvollen Gesang für einige Gänsehaut-Momente. Musikalisch bewegt sich die Band in eine deutlich ruhigere Richtung, die zwar die Emotionen der Lyrics unterstützt, jedoch oft eintönig und einfallslos wirkt.

Obwohl “Where I Go When I Am Sleeping“ nur vierzig Minuten lang ist, sollte man sich viel Zeit, Schokolade, und falls doch mal ein paar Tränen kullern sollten, ein paar Taschentücher nehmen, um die emotionale Tiefe dieses Werkes gänzlich zu verstehen und vor allem zu fühlen. Der Opener “Making Weight“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie Casey mit minimalistischer Instrumentalisierung die Hilflosigkeit und Traurigkeit in den Lyrics hörbar machen. Die Texte weisen einen sehr erzählenden Charakter auf und werden ab und an metaphorisch unterstützt. Leitthemen wie Depression, Liebe, Angst und Frustration werden durch wahre Begebenheiten aus Tom Weavers Leben vermittelt und wirken deswegen umso realer und greifbarer. Auch wenn die Themen des Albums klare Parallelen zum Vorgänger “Love Is Not Enough“ aufweisen, wirken sie hier noch einen Ticken persönlicher. Vor allem die wörtliche Erwähnung von Weavers Selbstmordversuch, der auf dem finalen “Wound“ sehr detailliert beschrieben wird, sorgt für einen Kloß im Hals, der nicht so leicht herunterzuschlucken ist.

Der schon vorab veröffentlichte Song “Phosphenes“ erzählt von Toms Erfahrungen mit anti-depressiven Medikamenten und der damit verbundenen Abhängigkeit. Die nachdenkliche Stimmung der Lyrics wird treffend von der Musik unterstützt und ist ein Beispiel für die gelungene Umsetzung des ruhigeren und weniger nach Hardcore-Punk klingendem Sound, den Casey auf diesem Album anstreben. Ein guter Mix aus Schreien, tief und gefühlvoll sowie auch hoch und kraftvoll gesungenen, einprägsamen Gesangsmelodien gepaart mit einer recht dichten Produktion aus hallender, in Reverb getränkter Lead-Gitarre, treibendem Bass und recht verhaltenen Drums machen “Phosphenes“ zum stärksten Song des Albums. Leider kann die Band diesen Standard nicht konstant halten. Titel wie “Fluorescents“, “Flowers By The Bed“ und “Bruise“ haben einen sehr balladesken Ansatz und plätschern klanglich so vor sich her. Das liegt vor allem an den sehr eintönigen Gesangsmelodien, die zusammen mit der monotonen tiefen Stimme Weavers nicht viel Potenzial besitzen, um öfters gehört zu werden. Was sehr schade ist, da die Texte einiges zu bieten haben.

Viele instrumentale Passagen stellen die hohe, in Reverb getränkte Lead-Gitarre, in den Vordergrund, und wenn man genau hinhört, wird man sie auch in vielen anderen Parts erkennen. Sie ist musikalisch der rote Faden des Albums und stark für die atmosphärische Stimmung verantwortlich. Auch in den sehr ambientlastigen Interludes, die positiv zum Gesamtkonzept des Albums beitragen, ist sie wiederzufinden. Der Titeltrack, ein dreiminütiger Post-Rock-Song, baut sich sehr schön auf, verliert jedoch nach der Hälfte an Reiz. Zusammen mit den Interludes erinnert Caseys neuestes Werk stark an “Waiting For Morning To Come“ von Being As An Ocean. Der einzige explosionsartige Moment findet sich im Chorus von “The Funeral“, der auch einer der stärkeren Tracks des Albums ist, wo sich Musik und Text perfekt vereinen. Nur das Outro des Songs wirkt überflüssig und zieht den Song unnötig in die Länge.

Insgesamt ist “Where I Go When I Am Sleeping“ ein lyrisch hochwertiges, nahegehendes und persönliches Album, das musikalisch einerseits mit vertrauten Stärken des Vorgängers und neuen, frischen Ideen überzeugt, andererseits jedoch mit eintönigen Balladen und wenigen Highlights einiges an Potenzial verliert.

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Tim Klünker

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