CD Review: Cane Hill – Smile

0

Cane Hill sind jung. Cane Hill sind brutal. Cane Hill sind erfrischend. Cane Hill sind ambitioniert. Cane Hill sind talentiert.

Gerade wenn man denkt, man hätte alles Erdenkliche in der Metal-Schiene gehört, passieren Cane Hill und stellen gefühlt die halbe Welt auf den Kopf. Die US-amerikanischen Newcomer haben am 15.07. ihr Debütalbum ’’Smile’’ veröffentlicht und zeigen, dass man bereits mit dem ersten Album ein kleines Meisterwerk auf die Beine stellen kann.

Das Albumcover lässt bereits sehr harte Töne, dunkle Themen und eine düstere Wortwahl erahnen. Ein weit aufgerissener Mund eines nackten Mannes, aus dem goldene Uhren und edle Ketten herausragen, ziert das Cover der 10 Tracks langen Scheibe.
All die vorab gegebenen Versprechen hält bereits der Opener ’’Mggda’’ ein. Sänger Elijah Witt Hensel schreit bereits in den ersten Sekunden Textzeilen wie ,,I am your world motherfucker’’ und ,,my good goddamn America’’ ins Mikro, ehe der erste Breakdown aufzeigt, welche Band hier am Werke ist. Mit sprunghaften Wechseln vom gutturalen Gesang zum Clean-Gesang und Klangteppichen, wie man sie sonst nur von Slipknot kennt, lassen Cane Hill bereits in den ersten Minuten der Platte keinen Stein auf dem anderen.

Das folgende ’’(The New) Jesus’’ wurde vorab veröffentlicht und besticht durch seine Härte, die zu Beginn des Songs durch verzerrte Kinderstimmen, die von der Ankunft des neuen Erlösers berichten, schon ein neues Level erreicht. Auch die Bridge, die einen total abgedrehten Sound besitzt, bleibt direkt im Kopf.
Mit ’’St. Veronica’’ begeben sich Cane Hill leicht in elektronischere Gefilde, indem sie den Song durch einen extrem düsteren Synthesizer-Beat anklingen lassen, bevor der übliche Breakdown diesen zunächst gegen die Wand fährt. Auch hier schaffen es die Amerikaner, zu überraschen. Nach der ersten Strophe, die sich stark aufbaut, lassen sie die erwartete Eskalation im Refrain auf sich warten, um stattdessen ein Zusammenspiel aus Gesang, einem starken Instrumentalspiel und dem anfänglichen Elektro-Beat auf den Zuhörer einprasseln zu lassen.

Einen vorzeitigen Höhepunkt findet das Album im fünften Track ’’Fountain of Youth’’, der vor nix und niemandem zurückschreckt und die heimische Soundanlage gefühlt in Grund und Boden walzt.
Auch eine Ballade hat seinen Platz in die Tracklist gefunden. ’’You’re So Wonderful’’ verzichtet bis zur dritten Strophe gänzlich auf Screams und ist textlich hervorragend. Nach dieser Geschichte über Vergänglichkeit der Liebe gibt es mit ’’Ugly Model Mannequin’’ wieder voll auf die Zwölf. Ein absolut verstörender Text, der in sehr starken und erinnerungswürdigen Refrains mündet und ein schnelleres Tempo in den Strophen zeichnen diesen Song aus.
Es braucht ganze 9 Songs, ehe eine Stelle auf ’’Smile’’ unpassend wirkt. Egal, ob vorher eine Strophe erklungen ist oder sich der Song in der Bridge epochal aufgebaut hat, der Refrain in ’’Screwtape’’ passt einfach nicht in den Kontext des Albums und an dieser Stelle wirkt der Clean-Gesang eher pseudohaft. Bei dieser Entgleisung bleibt es allerdings. Der Closer ’’Strange Candy’’ zeigt noch einmal alle Stärken des Albums auf und insbesondere Gitarrist James Barnett kann hier sein Können unter Beweis stellen.

Cane Hill haben mit ’’Smile’’ eines der ambitioniertesten Debütalben der letzten Jahre veröffentlicht. Solch eine Kompromisslosigkeit haben auf ihrem Debütalbum zuletzt eher Bands Ende der 90er-Jahre wie Slipknot oder System of a Down gezeigt. Thematisch und instrumental fühlt sich dieses aktuelle Werk an wie der kleine Bruder von ’’Slipknot’’. Doch Cane Hill müssen nicht weiter zu diesem aufschauen, sie haben ihrem Werk genug eigene Impulse gegeben. Die vierköpfige Band war dieses Jahr für mehrere Newcomer-Preise nominiert und im November werden sie zusammen mit Bullet for My Valentine und Killswitch Engage auf einer Tour der Superlative die europäischen – und deutschen – Bühnen erobern. Man darf auf die Zukunft dieser Band gespannt sein!

Share.

About Author

Jonathan Schütz

Comments are closed.