CD-Review: Bring Me The Horizon – That´s the Spirit

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Eine Band. Eine Marke. Ein Mysterium.

Seit der Gründung von Bring Me The Horizon im Jahr 2004 ist um die Band viel geschehen. Seien es Lineupwechsel, Skandale oder Drogenstories, so stand immer ein Faktor im Vordergrund: Wandel.

Wer hätte schon damals wissen können, dass die Jungs um Oli Sykes elf Jahre später solche Musik machen würden? Sie selbst nicht, und ihre Fans noch weniger.

Bring_Me_The_Horizon_Thats_The_SpiritRekapituliert man die letzten vier Alben, so ergibt sich eine Entwicklung von Deathcore, Metalcore, Alternativem Metalcore bis hin zu arenenfüllenden Hymnen wie Shadow Moses. Doch was nun?

‚That’s the Spirit’ ist für alle Fans der ersten Stunde ein Schlag ins Gesicht. Nicht mehr aggressive Gitarren und Screams, welche einen Löcher in die Wand schlagen lassen möchten, dominieren den Klang, sondern prägnante Hooks und Synthesizer Linien nähern die Band so nah wie nie an den Begriff des Mainstreams an. Wer bei ‚Sempiternal’ überfordert war, sollte diese CD erst gar nicht auf das Smartphone laden.

Denn was die fünf hier kreiert haben ist ein Kunstwerk besonderer Art. Das Album eröffnet mit ‚Doomed’, einem Lied, welches zielweisend für den Rest des musikalischen Spektrums ist. Einengende, kühle elektronische Rhythmen und stöhnende Stimmen dominieren das Klangbild zu Beginn, bis ein bedrängt klingender Oliver Sykes davon spricht, von Vampiren zerrissen werden zu wollen. All dies baut sich auf, bis tiefgestimmte Gitarren das pulsierende Tempo im Refrain ablösen. Nur ‚True Friends’ erinnert als einziger Song noch an den Metalcore Einfluss  der Vorgängeralben und verbindet dies mit eingängigen Melodien.

Andere Stücke wie ‚Throne’ oder ‚Happy Song’ wirken in ihrer Einfachheit schon – ja, nun kann man es sagen! – radiotauglich. Mit Refrains, die man nicht vergisst und einer Wucht in den Gitarren, die man nicht ignorieren kann.

Doch was unterscheidet nun Bring Me The Horizon vom Mainstream? Ganz klar die dunklen lyrischen Themen, welche von Depressionen, Suizid, Betrug und Hass bis zu Liebe reichen. Ein Beispiel ist in ‚What You Need’ zu finden:

„You want to make me slit my wrists and play in my own blood“

Die dargestellten Themen stehen in direkter Abhängigkeit zum Tempo: Schnelle Circlepitstarter wie ‚House of Wolves’ oder ‚Anthem’ sind nicht mehr zu finden, stattdessen wirkt das Album generell langsamer und lässiger. Selbst kitschige Balladen wie ‚Follow You’ wirken, obwohl noch vor zwei Jahren undenkbar, nun plausibel und passend zum Rest der Lieder. Auch die bereits pünktlich zum Wembley Auftritt veröffentlichte Single ‚Drown’ wirkt im Kontext des restlichen Klangs nicht mehr ganz so träge und  schon fast wie ein Uptempo Lied zum fröhlichen Mitsingen.

Alles in Allem ist ‚That’s the Spirit’ das zugänglichste Album der Bandgeschichte, welches durch infektiös eingängige Texte und Melodien neue Fans anziehen wird. Laut Oli Sykes geht es der Band nicht um Geld oder Ruhm sondern darum, besser zu sein. „Besser“ als bahnbrechende Alben wie ‚Sempiternal’ ist das neueste Werk nicht, aber wenn es tatsächlich gelingt, den Mainstream für härtere Musik zu öffnen und diese wieder in den Vordergrund zu bringen, so haben sie alles richtig gemacht. Wenn eine in den Wurzeln der harten Musik entsprungene Band wie Bring Me the Horizon im Radio läuft, stehen der Band und kommender Musik alle Wege nach oben offen. Ich meine kommt schon, wer will denn noch mehr Popkünstler im Radio hören?

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Alex Loeb

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