CD Review: Arcane Roots – Melancholia Hymns

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Sie sind zurück: Das Trio aus dem Vereinigten Königreich zwingt sich selbst große Veränderung auf und erfüllt sich sein Verlangen nach wagemutiger Neuerfindung.

Es ist noch nie eine gute Idee gewesen, die Macht einer Underground Band zu unterschätzen, welche schon Giganten wie Muse, Biffy Clyro oder sogar Evanescence supportet hat – besonders, wenn diese Band Arcane Roots heißt. Während der letzten Jahre war die Band mit sowohl den Aufnahmen eines neuen Albums als auch einer Hand voll Shows beschäftigt, um ihre EP Heaven and Earth an die Leute zu bringen. Unglücklicherweise hat diese dauerhafte Tätigkeit die Band ein bisschen von der Bildfläche gewischt. Nun aber haben Sänger Andrew Groves und seine Kollegen eine wahrhaft magische LP zusammengezaubert, die ihrem Titel gerecht wird.

Bereits der Opener wirft schon mit einer für die Band ungewöhnlichen Klanglandschaft den Schatten des Albums voraus. Before Me bahnt sich sanft an und nimmt den Zuhörer mit auf eine Reise, die man so auch auf einer Meditations-CD zu hören bekommen könnte. Die Synthesizer funkeln und schweben über das gesamte Stück während Groves eine nuancierte, zarte Seite seiner Stimme offenbart. Der Zeit für Erholung ist jedoch schnell ein Ende gesetzt, sobald die vorab veröffentlichte Single Matter mit seiner prog-artigen Riffstampede und passenden Math-Rock Grooves hereinwalzt. Die Produktion des Albums und besonders dieses Liedes kommen hier zur Geltung, wodurch die Attacke des Trios unfassbar scharf und präzise klingt. Dasselbe kann auch für andere harte Lieder gesagt werden: Da wären zum Beispiel das treibende Everything (All at Once), der Ohrwurmhit Off The Floor oder auch die epische Reise der Single Curtains. Das Schlagzeug ist wütender, die Gitarre noch ausgewogen kräftiger und der Bass so verzerrt wie er es sein muss. Die Einheit, die Arcane Roots auf dieser CD bilden, ist technisch anspruchsvoll und gleichzeitig festgegossen wie Blei. Andrew Groves – der sich stur weigert, Drop Tunings zu verwenden – lässt mich mit seinem Oktavpedal wieder einmal wundern, wie dieser solch wuchtige Riffs schustert, die zugleich aufregend und innovativ sind.

Trotzdem sind die experimentelleren Songs auf diesem Album die wahren Underdogs, die neben den Vorzeigemodellen à la Off the Floor wohl öfters übersehen werden. Viele der härteren Songs werden direkt mit einem sanfteren Stück kontrastiert. Indigo enthüllt unverkrampfte Melodien mit herzerwärmendem Glockenspiel, was das Lied zu dem perfekten Soundtrack des launischen Herbstwetters macht. Arp präsentiert ein stetiges Buildup, resultierend in einem quasi symphonischen Finale, welches definitiv live gespielt werden muss während Fireflies allein auf Groves’ neugefundener Liebe zum Klavierspiel und Programmieren basiert. Diese Momente sind vergleichbar zu dem Level an kreativem Genius, wie ihn Radiohead besitzen. Das kann sich wirklich sehen lassen. Wie vom Frontmann erwähnt sind diese Songs in der Tat unkonventionell, ermöglichen jedoch für alte Fans die Chance, neue Facetten in der großartigen Musik der Band zu erforschen. Den Schluss macht Half the World, indem es die schiere Brutalität des Vorgängers Everything mit einem Singalong Chor solange ausbalanciert, bis nur noch zufriedenstellende Ruhe bleibt. Nach ungefähr einer Stunde voll magischer Musik wurde alles gesagt und keine Fragen bleiben unbeantwortet.

Während die EP Heaven and Earth eher im Esprit des Rock glitzerte, verhilft Melancholia Hymns Arcane Roots zu wahrer künstlerischer Größe. Das Songwriting ist prächtig und vielfältiger als zuvor, wodurch die Interessen von Indie als auch Metal Fans zugleich entfacht werden können. Mit diesem Album hat das Trio die Messlatte für zukünftige Aufnahmen verdammt hoch gesetzt.

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Alex Loeb

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